KIERSPE ▪ Gerade einmal zwei Punkte standen im öffentlichen Teil des Hauptausschusses zur Beratung an. Durch den Antrag von Peter Christian Schröder, Wählergemeinschaft Pro Kierspe, kam noch ein dritter dazu. Der Politiker nutzte die Sitzung im Blauen Salon der Gesamtschule, – im Rathaus fand an diesem Tag der CDU-Neujahrsempfang statt – um auf die Situation einer Familie aufmerksam zu machen, die ihr Haus nicht mehr mit den Fahrzeugen erreichen kann, weil die Brücke, die über die Volme führt, als baufällig eingestuft wurde.

© Becker
Die Brücke über die Volme ist In der Grüne nur noch für Fußgänger zu passieren. ▪
„Seit dem 11. August ist die Brücke In der Grüne gesperrt. Eine Benachrichtigung des Kreises gab es am 27. Juli. Doch zu dieser Zeit waren wir im Urlaub und als wir wiederkamen, war vor der Brücke Schluss“, erinnert sich eine Anwohnerin, die im Hauptausschuss über die Situation berichtete. Außerdem habe der Kreis ihnen mitgeteilt, dass sie ihr Haus bis zum 31. März verlassen müsse – eine Frist, die mittlerweile aber verlängert wurde. „Wir müssen alle Einkäufe zu Fuß nach Hause tragen. Das ist mit zwei Kindern kein Vergnügen – und ab nächster Woche sind es sogar drei“, so die Anwohnerin.
Doch die Familie plagen auch ganz andere Sorgen. Hätten sie doch aufgrund ihres Kreditvertrages die Möglichkeit, umzuschulden. Doch da das Haus nicht zu erreichen und damit faktisch nichts wert ist, ist die Hausbank zu diesem Schritt nicht bereit. Und an eine Vermietung einer Wohnung im Haus sei auch nicht zu denken.
Bürgermeister Frank Emde war die Situation nicht unbekannt und er konnte den Ausschuss über die Hintergründe informieren, die zu der unbefriedigenden Situation geführt hatten.
Doch weder der Kreis, als Vertreter des Landes, noch der Eigentümer der zweiten Hälfte seinen Willens, beziehungsweise in der Lage, die Sanierungskosten, die sich nach einem ersten Gutachten auf rund 60 000 Euro belaufen würden, zu bezahlen. Bereits in den 90er Jahren sei die Brücke durch ihre Baufälligkeit aufgefallen. Emde: „Damals hat die Stadt sanieren lassen, allerdings im Auftrag der Eigentümer, diese haben aber die Kosten nie in vollem Umfang erstattet.“ Nun hoffe man, mit einem Gutachter, der in den nächsten Tagen die Widerlager in Augenschein nehmen will, einen günstigeren Sanierungsplan erstellen zu können.
Enttäuscht zeigte sich Schröder, Pro Kierspe, von der Kreisverwaltung: „Der Kreis kann doch nicht einfach die Brücke sperren und sich dann nicht weiter um die Anwohner kümmern.“
Problematisch an der Situation ist auch eine anstehende Heizöllieferung in rund zwei Wochen. Doch auch da zeichnet sich Hilfe ab. Bürgermeister Emde hatte noch am Abend nach dem Ausschuss mit dem Wehrleiter gesprochen. Dieser sagte zu, dass er Wehrleute bereitstellen würde, die den Transport des Brennmaterials übernehmen würden.
Noch nicht geklärt ist aber, warum die Eigentümer des Hauses In der Grüne beim Kauf vor acht Jahren nicht auf die ungeklärte rechtliche Situation aufmerksam gemacht wurden. ▪ Johannes Becker



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