HALVER ▪ Im Laufschritt nähert sich Friedhelm Schröder seinem Büro. Pünktlich will er sein, denn „das gehört sich so“, wie er sagt. Sein Terminkalender sei voll – von morgens halb acht bis abends, erzählt er. Und setzt sich mit einer Tasse Kaffee an den runden Tisch in der Ecke seines Büros. Alle wollen ihn kennenlernen, den neuen Schulleiter der Realschule.

© Machelett
Friedhelm Schröder ist der neue Leiter der Realschule. ▪
Aber auch Schröder erkundet jeden Winkel „seiner“ Schule. Gerade komme er aus dem Informatikraum, berichtet der Neue, während er sich in seinem Stuhl zurück lehnt und die Beine übereinander schlägt. Seit drei Tagen ist er im Amt. Noch sei er in der Kennlern-Phase, doch bereits jetzt weiß Schröder, was er will: „Eine Schule, die im Mittelpunkt des Lebens steht.“
Blumen stehen auf dem Tisch und Kekse, eine Gardine Typ „70er Jahre“ versperrt den Blick aus dem Fenster. Auf dem Schreibtisch türmen sich Papierberge. Auf die Frage, was der Beruf des Lehrers für ihn bedeutet, steht Schröder auf und geht zu seinem Schreibtisch. Zwischen den Papierhaufen zieht er ein kleines Bild hervor. „Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren.“ Seine Frau habe es ihm zum Schulanfang geschenkt. „Das ist es, was ich will“, erklärt er und setzt sich wieder.
Es klopft an der Tür – Schröder öffnet, unterhält sich kurz mit einer Schülerin. „Entschuldigung, aber wir haben hier das Prinzip der offenen Tür“, erklärt er. Insbesondere die Schüler würden merken, wenn sie mit ihren Sorgen Ernst genommen werden.
Als das Thema Sekundarschule fällt, lehnt sich Schröder nach vorn, auf seiner Stirn zeichnen sich leichte Falten ab. „Diese Schule wird nicht zugemacht. Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Jeder Schüler, der hier angenommen wird, wird hier seinen Realschulabschluss machen – sofern die Leistung stimmt“, erklärt er mit fester Stimme. Seine Kollegen seien Realschullehrer mit Herzblut, 60 Prozent der Schüler würden einen Abschluss mit Qualifikation fürs Gymnasium machen, das zeige die Qualität der Schule. „Es wird eine neue Schulform eingeführt – optional – es fällt keine bestehende Form weg.“
Aktuell sieht er keine Notwendigkeit für eine Sekundarschule, „vielleicht irgendwann einmal, auf Grund der Demographie.“ Zuvor jedoch gelte es, alle Rahmenbedingungen eingehend zu diskutieren. „Das ist so, als würde ich meine bequemsten Schuhe gegen neue eintauschen ohne sie vorher probiert zu haben. Wer weiß, vielleicht drücken sie – und dann?“ Eine leistungsorientierte neue Schulform könne unmöglich über Nacht gefunden werden.
Friedhelm Schröder tritt ein schweres Erbe an. 20 Jahre war Hartmut Wächter Schulleiter. „Ich übernehme eine Schule die extrem gut aufgestellt ist. Alles was ich erwarte – zeitgemäßen Unterricht, moderne Materialien und Methoden – wird hier bereits gelebt. Alles andere bringt die Zeit.“
Von Lydia Machelett



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