029.04.10|Kultur NRW
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Von Ralf Stiftel ▪ BOCHUM–Willy Decker versteht sich als Philosoph. Darum kommt der Intendant der Ruhrtriennale auch bei so etwas Profanem wie der Programmvorstellung nicht um einige Betrachtungen herum.

© Haug/Ruhrtriennale
Tanzende Derwische: Das Ensemble Sarband kommt zur Ruhrtriennale.
Warum zieren die aktuellen Triennale-
Decker inszeniert auch die Eröffnungspremiere, für die er ein neues Stück von Albert Ostermaier über das bekannteste Liebespaar der islamischen Kultur wählte: „Leila und Madschnun“. Der persische Poet Nizami schrieb das Epos einer unerfüllten, am Ende völlig transzendierten Leidenschaft 1188, und es ist im Orient so populär wie im Westen allenfalls „Romeo und Julia“. Der palästinensisch-
Decker verspricht ein Festival der Liebe, sowohl der erotischen als auch der spirituellen. So sei es auch bei vielen Dichtern des Islam: Sie luden ihre religiösen Verse mit sinnlichen Metaphern auf, bis der Doppelsinn entstehe. Das Ergebnis kann die spirituelle Ekstase sein, wie sie Akram Khan im Tanz erfindet. Der britische Choreograf mit Eltern aus Bangladesch verbindet in „Vertical Road“ Tanzformen und Klänge vieler Kulturen zu einem Stück über den Weg zu Gott. „Passio und Compassio“, Leiden und Mitleiden, stehen im Zentrum der Musik Johann Sebastian Bachs. Seine Barockmusik interpretiert das Ensemble Saraband im Geiste der Sufi-
Ein Lesungsprogramm bietet neben Rumi auch noch die „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie, wobei der Autor nicht kommt, aber immerhin sein Übersetzer Bernhard Robben von der Sprengkraft eines Werkes spricht, das den Ayatollah Chomeini zu einem Mordaufruf provozierte. Die Reihe „A Century Of Song“ hat mit Christoph Gurk einen neuen Kurator und steht diesmal ganz im Zeichen des Festival-
Aber die Ruhrtriennale bietet auch außergewöhnliche Produktionen abseits des Leitthemas. So inszeniert der Regisseur Christoph Schlingensief sein neuestes Stück „S.M.A.S.H.“, das an seine Abende „Eine Kirche der Angst...“ (2009 bei der Triennale gefeiert) und „Mea Culpa“ anknüpft. In „S.M.A.S.H.“ imaginiert er die Zukunft seines Projekts eines Operndorfs für Burkina Faso. Prominente Darsteller wie Corinna Harfouch, Margit Carstensen und Irm Hermann wirken mit.
Die Ruhrtriennale versteht sich als Teil des Kulturhauptstadt-
Noch ein spektakuläres Projekt: Lange hat Literatur-
37 Produktionen werden von August bis Oktober aufgeführt. Dazu gehören auch die Filmreihe „Spirit of Islam“, Diskussionen unter anderem mit der umstrittenen und streitbaren Soziologin Necla Kelek und ein Kinderfest. Die Macher hoffen auf 50 000 Besucher wie 2009.
650 Künstler zeigen 37 Produktionen in 130 Vorstellungen – das ist die Ruhrtriennale in Zahlen. Hier die wichtigsten Produktionen:
21. 8. Leila und Madschnun, Liebesdrama nach Nizami
22. 8. S.M.A.S.H. - neues Stück von Schlingensief
2. 9. Verrücktes Blut! Schuldrama
4. 9. Paradise, Paradiesbilder für Menschen ab 8
8. 9. Die Blechtrommel, Grass‘ Roman als Bühnenuraufführung
9. 9. Du sollst... Kurzstücke über die 10 Gebote
15. 9. You‘ve changed. Tanzperformance
17. 9. Passio – Compassio, Bachs Musik im Geist der Sufi-
23. 9. Verbrennungen, Drama über die Folgen des Kriegs
25. 9. Gisela, Ruhr-
29. 9. Vertical Road, Tanzkreation von Akram Khan
30. 9. Le Cri Tanz, inspiriert von Derwischen
7.10. The Defenders, getanzte Weltgeschichte von William Forsythe
8.10. Amo! Coutertenor und Harfen
Tel. 0700 / 2002 3456; http://www.ruhrtriennale.de
Quelle: wa.deSchreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.