Von Ralf Stiftel ▪ Diese Liebesgeschichte beginnt mit den Glückstränen von Mrs. Wilkinson. James ist zu ihr zurückgekehrt, der Freund, der zwei Monate lang verschwunden war. Nun begrüßt sie ihn: „Hullo, Boy!“ Und dann geschieht das Wunderbare: „‚Hullo, Boy!‘ erwiderte der Vogel.“ James ist ein australischer Prachtleierschwanz. Und seine Affäre mit Mrs. Wilkinson hat sich wirklich zugetragen am Mount Danenong, 24 Meilen von Melbourne entfernt, ab jenem Tag im Februar 1930.
Diese unglaubliche Erzählung von dem treuen Tier, das fast täglich seine menschliche Freundin besucht, nicht nur für sie tanzt und singt, sondern auch noch für ihre Gäste, die stellt Ambrose G. H. Pratt an den Anfang seines wunderbaren Buchs „Menura – Prächtiger Vogel Leierschwanz“. Eigentlich soll dies ein nüchtern wissenschaftlicher Bericht über den außergewöhnlich talentierten Sangeskünstler sein. Aber das im Original 1933 erschienene Werk ist dem Autor zu einer Ode auf das Geschöpf geraten, das er so sehr bewundert.
Ambrose Pratt (1874–1944) schillert kaum weniger als der Vogel, über den er schreibt. Der Sohn eines Mediziners in New South Wales war eigentlich Jurist, wandte sich aber, abgestoßen vom eigenen Dandytum, zunächst der Seefahrt zu, begann eine erfolgreiche Laufbahn als Autor kommerzieller Romane, wurde politischer Journalist, der unter anderem 1913 in einem Buch über Südafrika Partei für die Rechte der Schwarzen ergriff. Er wurde in den 1920er Jahren Geschäftsmann und wandte sich zur gleichen Zeit dem Naturschutz zu.
Die wunderschöne Gestaltung des Buchs mit Bildtafeln und einer beigefügten CD mit Gesängen des Vogels macht den Genuss erst vollkommen. Und der Übersetzer Rainer G. Schmidt hat sich nicht nur fein in Geist und Sprache des Originals eingefühlt, sondern rückt auch im Nachwort die Irrtümer und Idealisierungen Pratts zurecht, indem er die neueren Erkenntnisse referiert, zum Beispiel, dass der Leierschwanz nicht monogam lebt.
Ambrose G. H. Pratt: Menura – Prächtiger Vogel Leierschwanz. Deutsch von Rainer G. Schmidt. Friedenauer Presse, Berlin. 127 S., 23,50 Euro
Quelle: wa.de


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