Was ist falsch gelaufen?

Zuccaba: Suche nach Gründen für Insolvenz

Das Café Zuccaba inklusive der beliebten Außengastronomie ist Vergangenheit. Doch für den ehemaligen Betreiber Halil Özince ist die Suche nach den Insolvenz-Gründen noch nicht beendet.

Lüdenscheid -  Halil Özince gibt sich nicht so schnell geschlagen. Auch wenn das letzte Kapitel der Café-Zuccaba-Geschichte geschrieben, das Inventar inzwischen verkauft ist, sucht er weiter nach den Gründen für die Insolvenz.

Dabei findet er die Schuld nicht nur bei sich. Dass er die für Branchenverhältnisse viel zu hohe Miete akzeptiert hat, weil er die Fläche „unbedingt“ haben wollte, räumt er ein. Doch für ihn sind auch Falschabrechnungen bei den Nebenkosten ein Grund für das Scheitern seines Cafés, ein Grund dafür, dass er die finanziellen Enden nicht zusammenbekommen hat.

Das will er seinem Vermieter erklären, will um Aufschub, um eine zweite Chance bitten. Also fliegt der Lüdenscheider im Mai nach Irland. Er spricht kaum Englisch, weiss nicht, wo Bert Allen wohnt, ist aber fest entschlossen, seinen Lebenstraum zu retten. Im Flugzeug trifft er eine junge Frau, die ihn zum Busbahnhof bringt und das Ticket für die Fahrt ins County Wexford kauft. Am Ziel sucht er jemanden, der Türkisch spricht – und sein Taxifahrer findet einen türkischen Friseur. Die Sprachhürde ist genommen. Dann greift das Netzwerk.

Mit seinem neuen Bekannten fährt er zu Allens Fleischfabrik, bekommt Kontaktdaten und ein neues Ziel. Ein weiterer Türke, der an Allens Wohnort ein Kebab-House betreibt, kennt eine Dolmetscherin. Die arbeitet sich grob in die deutschen Nebenkosten-Abrechnungen ein und vereinbart einen Termin mit Bert Allen. Der Millionär will Geschäftliches nicht sonntags erledigen und lädt für montags in sein Einfamilienhäuschen ein. Viereinhalb Stunden dauert das Gespräch. Der Lüdenscheider verlässt Irland in dem Glauben: „Er will mir helfen.“ Doch offenkundig sehen Allens Berater die Lage anders.

Mehr zum Thema Zuccaba gibt es hier

Ein Özince-Kritikpunkt: der in Rechnung gestellte Wasserverbrauch. Hier hat er durch Zufall festgestellt, dass in dem separaten Raum, in dem sein Fettabscheider steht, nachträglich ein Wasserkran installiert und regelmäßig Wasser entnommen worden sei – auf seine Kosten. Immerhin eine Entschuldigungsmail der Hausverwaltung hat er dazu enthalten: „Leider müssen wir feststellen, dass Sie recht haben und an dem Auslaufventil im Fettabscheiderraum Wasser entnommen werden kann und von der Gebäudereinigung auch wird, das über Ihren Wasserzähler abgerechnet wird.“ Für den ehemaligen Café-Betreiber ist das unglaublich. „Die wischen jeden Tag und bestimmt nicht nur mit einem Eimer. Auch die Tiefgarage“, sagt er. Beim Strom habe er auch zufällig festgestellt, dass Fremdstrom über seinen Zähler lief. Halil Özince: „Tropfen zu Tropfen wird es zu einem See.“

Eine Sitzung bei der Hausverwaltung in Hamminkeln mit ihm und Rudolf Reiss, dem Bevollmächtigten des Vermieters, ist das Resultat des Irland-Treffens. Doch statt einer Perspektive für das Café Zuccaba kommt das Aus. Warum genau, weiß er bis heute nicht. Die Telefonate auf Englisch mit dem zugeschalteten Bert Allen hat er nicht verstanden. Rudolf Reiss sagte auf LN-Anfrage zum Thema Zuccaba: „Kein Kommentar.“

Insolvenzverwalter Reiner Becher hat bezüglich der Abrechnungsfehler-Vorwürfe die Hausverwaltung um Aufklärung gebeten. Ob die Abzapfung des Wassers nun Betrug oder nur Gedankenlosigkeit gewesen sei, könne er nicht beurteilen, sagt Becher. Anhand der von Halil Özince vorgelegten Zahlen lasse sich zwar nachvollziehen, dass ihm tatsächlich zuviel berechnet worden sei, „aber das macht den Kohl nicht so wirklich fett“.

Aus Sicht des Insolvenzverwalters liegt die Krux woanders: „Wir sind hier nicht in der Düsseldorfer Altstadt.“ Dort seien solche Miethöhen vielleicht zu erwirtschaften, aber nicht in Lüdenscheid. Jedenfalls habe laut Becher die Bank am Ende gefordert, dass Einigkeit mit allen Gläubigern erzielt werden müsse. Und da habe der Vermieter das letzte Wort gehabt: Nein.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare