Zeugen im Schutzgeld-Prozess: „Nur gesprochen, mehr war da nicht“

Lüdenscheid - Die Atmosphäre zwischen den Beteiligten im sogenannten Schutzgeld-Prozess wird nicht besser. Während die Zeugen am 21. Verhandlungstag aus Sicht der Staatsanwaltschaft wenig Erhellendes zu dem Verfahren beitragen können, liefern sich die beiden Vertreter der Anklage, Christoph Bußmann und Axel Noelle, und Strafverteidiger Dieter Kaufmann erneut kurze und heftige Wortgefechte.

Denn der Rechtsanwalt aus Dortmund, der den Hauptangeklagten Murat S. vertritt, bietet einen Überraschungszeugen auf. Der soll bestätigen, dass der Automatenaufsteller den Betreiber des Wettbüros am Rathausplatz an dem Tag, an dem dort der Schuss fiel, nicht, wie angeklagt, am Hals gepackt und an die Wand gedrückt hat. Kaufmann muss ihn etwas lenken. Dann sagt der 25-Jährige tatsächlich: „Er hat nur mit ihm gesprochen, mehr war da nicht.“

Den Staatsanwälten geht die Frageweise des Verteidigers sichtlich auf die Nerven. Bußmann: „Das ist suggestiv bis zum Geht-nicht-mehr!“ Noelle: „Das ist unterste Kajüte.“ Doch Kaufmann hat die Antworten, die er wollte.

Und auch ein weiterer Zeuge, ein 47-jähriger Arbeitsloser aus Lüdenscheid, will dem Automatenaufsteller nicht an die Karre fahren. Zunächst sorgt er für Gelächter im Gerichtssaal, als Richterin Heike Hartmann-Garschagen ihn nach seinem Verhältnis zu dem 37-Jährigen fragt. „Er war ein Freund“, sagt der Mann lächelnd. Die Richterin: „Wieso ‘war’?“ Antwort: „Ich sehe ihn in letzter Zeit kaum noch.“ Kein Wunder, denn Murat S. sitzt seit mehr als neun Monaten in U-Haft.

Dass der Automatenaufsteller ihn bedroht hat, davon will der Zeuge nichts wissen. Aber er erinnert sich, dass er bei einem türkischen Würfelspiel im Hinterzimmer eines Cafés verloren und Murats Onkel ihm darauf 10 000 Euro geliehen hat, „damit ich weiter spielen kann“. Die Richterin scheint überrascht über die Summe zu sein. Aber der Zeuge sagt: „In fast allen türkischen Cafés kann man spielen.“ Früher habe er 30 000 bis 40 000 Mark an einem Abend verloren. „Aber irgendwann hört man dann auf.“

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Das Verhalten des Hauptangeklagten als Schuldeneintreiber für seinen Onkel war nach Angaben des Lüdenscheiders moderat. „Er hat mir nur empfohlen, schnell zu bezahlen.“ Die Richterin: „Hat er mal gesagt, dass er Sie töten wird?“ Der Zeuge: „Mich? Niemals!“

Der Prozess wird am Dienstag um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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