„4 Your Eyes Only“: Großer Beifall für famos gespieltes Stück

„4 Your Eyes Only“: Großer Beifall für famos gespieltes Stück

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Anouk (Johanna Pollet) wird Opfer einer brutalen Hatz im Internet.

Lüdenscheid - Es gab ihn, den großen Beifall nach der Aufführung des Jugendstücks „4 Your Eyes Only“ im Kulturhaus. Da hatte sich das Kommunikationsbedürfnis unter der vorwiegend jugendlichen Zuschauerschaft unter dem Eindruck dramatischer Zuspitzung längst gelegt.

Das Stück der Autorin Esther Rötz warnt eindringlich vor Rufmord im Netz. Schnell sind Bilder, Texte, Filme, Tonaufnahmen ins Internet gestellt, verbreiten sich Gerüchte rasend schnell, entwickeln so auf sozialem Feld enorme Sprengkraft.

Ein Schlaglicht wirft das Stück auf die Generation Internet, sichert über nachvollziehbare Szenenfolgen und Anpassung der Texte an die Jugendsprache ein Spiel auf Augenhöhe mit der Zielgruppe. Famos gespielt, auf den Punkt in Szene gesetzt, lief „4 Your Eyes Only“ im Kulturhaus ab. Das Psychodrama bietet allemal besten Anschauungsunterricht über die fatale Wirkung des Cybermobbing. Die rund neunzig Minuten mit drei „Digital Natives“ auf der Bühne vergingen wie im Flug. Regisseurin Carola von Seckendorf setzte dabei auf simultanes Handeln an zwei verschiedenen Schauplätzen und damit auf das Konzept von Jeremias Vondrlik, der in seiner zweigeteilten Bühne auf der Bühne offenes Spiel ermöglichte.

Anouk (Johanna Pollet), Liebling aller, ihr Freund Kian (Julius Schleheck), der so gerne cool aber ein Mitläufer ist und Sven (Banar Fadil), der schräge Computerfreak, geraten irgendwie zu- und aneinander. Kians Clique steht darauf, Freaks wie Sven zu mobben. Sven himmelt Anouk an, nimmt per Brief und Chat Kontakt auf. Allmählich nimmt die digitale Hatz Fahrt auf. Sven bezieht von Kians Clique demütigende Prügel. Kurz darauf erscheint das entsprechende Video im Netz. Kian stellt Anouks Geheimnis online und schon beginnen die Grenzen zwischen digitaler Welt und wirklichem Leben zu verschwimmen. Die Zuspitzung des Psychodramas geht unter die Haut, am Ende geht es messerscharf um die Existenz der beiden.

Simulierte Echtzeit: Live erlebt das Publikum, wie Chats, Selfies, Likes, aber auch ein selbstkomponiertes Lied wirken. Gewiss, „4 Your Eyes Only“ mahnt Medienkompetenz an, stellt einen allgemeinen Appell dar, mehr Verantwortung zu übernehmen. Allerdings ist auch hier unreflektiert die Rede von „digitaler Verantwortung“. Allein dieser Begriff signalisiert Hilflosigkeit und ließe sich mit einer Ethik des Handelns oder ethischem Handeln elegant überflüssig machen.

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