"World Head and Neck Cancer Day": Klinikdirektoren informieren

+
Bei einem Patienten mit Stimmband-Karzinom führt Dr. Benedikt Knof (am Mikroskop) eine Laser-Kehlkopfteilresektion durch. Seine Mitarbeiterin verfolgt die OP auf dem Bildschirm und reicht ihm Instrumente an.

Lüdenscheid - Am 27. Juli ist „World Head and Neck Cancer Day“. Aus diesem Anlass stellen die drei Direktoren der Kliniken für HNO-Heilkunde, Nuklearmedizin und Strahlentherapie im Klinikum Hellersen ihr Angebot an Präventions-, Diagnose- und Therapie-Methoden vor.

Übersetzt nennt sich der Aktionstag etwa „Welttag des Kopf- und Halskrebses“. Er wurde 2014 von der International Federation of Head an Neck Oncological Societies (IFHNOS) ins Leben gerufen und soll nun jedes Jahr am 27. Juli und im Idealfall darüber hinaus Aufmerksamkeit auf das Thema Kopf-Hals-Karzinom lenken.

Bei einem Raucher entwickelt sich 15 Mal häufiger ein Kopf-Hals-Tumor als bei einem Nichtraucher – und auch regelmäßiger Alkohol-Konsum erhöht das Risiko, an einem Karzinom etwa in der Nasenhöhle, im Mund oder am Kehlkopf zu erkranken.

Treffen zu Tumorkonferenzen

Prof. Dr. Rolf Larisch, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, Dr. Benedikt Knof, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, und Dr. Dieter Schnalke, Direktor der Klinik für Strahlentherapie, (von links) treffen sich regelmäßig, um Behandlungen zu planen.

Jährlich erhalten weltweit 600.000 Menschen eine solche Diagnose – und 350.000 sterben daran. Dr. Benedikt Knof ist Direktor für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie sowie plastische Operationen. Zusammen mit seinen Kollegen Professor Rolf Larisch, Direktor für Nuklearmedizin, und Dr. Dieter Schnalke, Direktor für Strahlentherapie, trifft er sich regelmäßig zu sogenannten Tumorkonferenzen. Gemeinsam erstellen die Mediziner dann für Patienten individuelle Behandlungspläne – je nach Fall mit einer Kombination aus spezieller Röntgen- und PET-CT-Diagnostik, Chemo-, Bestrahlungs- und operativer Therapie, getakteter Nachsorge sowie einer sozialen Begleitung durch das Case Management des Hauses. 

„Früherkennung  ist das Allerwichtigste“

Bei den Tumoren, die in der Nasenhöhle, den Lippen, der Nase, dem Mund, den Speicheldrüsen, dem Rachen oder dem Kehlkopf entstehen, ist Früherkennung laut Dr. Knof das Allerwichtigste, denn zwei von drei Tumoren würden erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, die Hälfte der betroffenen Patienten lebe dann nicht mehr länger als fünf Jahre. „Da muss man leider sagen, dass sich die Lebenserwartung in den letzten 30 Jahren kaum verbessert hat, vor allem sobald der Krebs gestreut hat.“

Diagnostik mit Rundum-Sicht

Im Rahmen der Diagnostik sehe man sich deshalb bei Spiegelungen der Luft- und Speiseröhre den ganzen Kopf- und Halsbereich an, erklärten die drei Spezialisten. „Denn in 15 Prozent aller Fälle entwickelt sich ein Zweitkarzinom“, so Knof.

Mit den modernen Möglichkeiten der Nuklearmedizin lasse sich herausfinden, an welchen Stellen überall Metastasen sind, erklärte Professor Larisch. Dazu sei das PET-CT, eine Kombination aus zwei bildgebenden Verfahren eine geeignete und fortschrittliche Möglichkeit. PET steht für Positronen Emissions Tomographie, CT für Computertomographie.

Tumorzellen werden markiert

„Wir verabreichen dem Patienten kleine Mengen einer radioaktiven Zuckerlösung. Tumorzellen nehmen diese Lösung besonders gut auf und werden so markiert. Wir können sie dann auf den Bildern gut erkennen“, erklärte der Professor vereinfacht.

Mithilfe des CTs seien Organe und Knochen sehr konturiert zu erkennen, weshalb sich die betroffene Körperstelle beim „Übereinanderlegen“ der Bilder genau lokalisieren lasse.

"Wir können Strahlen exakt dosieren"

Diese Informationen braucht auch das Team um Dr. Schnalke, denn wenn zur Behandlung schließlich eine Bestrahlung nötig ist, muss diese zielgenau sein. „Heutzutage können wir dank eines genauen Plans des Computers die Strahlen exakt dosieren und fokussieren. Dazu trägt auch eine spezielle Fixierung des Kopfs in einer Kunststoffschale bei“, sagte Schnalke.

So ließen sich Nebenwirkungen reduzieren. „Durch ein rotierendes Gerät, das wir benutzen, entstehen weniger Reizungen der Haut und Schleimhäute als früher. Die Strahlenfelder sind viel genauer ausgerichtet und schädigen das Gewebe um den Tumor weniger – auch wenn sich Nebenwirkungen natürlich nicht ganz vermeiden lassen.“

„Rauchen und trinken erhöhen das Risiko“

In Kombination mit einer Chemo-Therapie lasse sich einiges erreichen, sagen die drei Klinikdirektoren. Die enge Zusammenarbeit der drei Bereiche und die verschiedenen Therapieformen unter einem Dach, die in individueller Kombination angewendet werden, seien ein Vorteil für die Patienten.

Generell raten die Ärzte, nicht nur am heutigen Aktionstag an Kopf- und Halskrebs zu denken: „Dauerhafte Heiserkeit und Halskratzen, Schluckbeschwerden, Nasenbluten, Flecken im Mund und ein Fremdkörpergefühl – das alles können Hinweise sein, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen und besser vom Arzt untersuchen lassen sollte“, betonte Knof. „Und es ist tatsächlich so – Rauchen und Trinken erhöhen das Risiko erheblich.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare