„Willst du uns umbringen?“: Prozess nach Fahrrad-Unfall

Lüdenscheid - Zwei der vier Fahrradfahrer sind am 17. Mai 2015 auf der Straße unglücklich aneinandergeraten. Es hat sie übel erwischt; doppelter Beckenbruch, Schultergelenke kaputt, Bänder gerissen, Rippe gebrochen – und teure Sporträder nur noch Schrott. Schuld an dem Malheur ist ein Motorradfahrer (58).

Doch gegen den Strafbefehl über 1000 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung hat er Einspruch eingelegt. Es kommt zum Prozess.

Staatsanwältin Ina Pavel wirft dem Biker aus Remscheid vor, beim Überholen der Radlergruppe nicht genug Seitenabstand zu einem der Sportler gehalten zu haben. Und er soll ihm zugerufen haben, die „Scheiß-Radfahrer“ sollten sich mehr rechts halten. Der Radler, ein 52-jähriger Polizist, darauf: „Willst du uns umbringen?“ Er fühlt sich unter Druck, versucht hektisch, auf den Reifen zu bleiben – und übersieht dabei, dass sein Vordermann angehalten hat. „Ich habe ihn voll abgeräumt“, erinnert er sich.

Der Angeklagte bestreitet, Schuld an dem Unfall der beiden Sportler zu haben. Der Radfahrer habe plötzlich einen Links-Schlenker gemacht. „Aber ich habe ihn gar nicht berührt.“ Strafverteidiger Till Büssem baut auf die Aussagen der anderen Biker, die mit dem Angeklagten unterwegs waren. Die Staatsanwältin und Rechtsanwalt Dr. Michael Sikora, der für den Polizisten die Nebenklage führt, sehen Widersprüche. Ina Pavel spricht von „Gefälligkeitsaussagen“ zugunsten des Angeklagten – und leitet ein Verfahren wegen Falschaussage ein.

Das Ziel, einen Freispruch zu erreichen, ist meilenweit verfehlt. Zum Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung kommt noch der der Straßenverkehrsgefährdung hinzu. Strafrichter Thomas Kabus erhöht die Geldstrafe um das Dreifache auf 3000 Euro.

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