Im Dienste der Werbung

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Museumsleiter Dr. Eckhard Trox begleitet am Sonntag die öffentliche Führung.

Lüdenscheid - Die grafischen Arbeiten des Künstlers Heinz Wever für eine der größten Messen in der Weimarer Republik stehen am Sonntag ab 18 Uhr im Fokus eines Vortrages in der Städtischen Galerie.

Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen hat ihren Vortrag mit „Wever und die GeSoLei“ betitelt. Die große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen in Düsseldorf 1926 war mit mehr als 7,5 Millionen Besuchern die bis dahin bedeutendste Schau der Weimarer Republik. Nach den zerstörerischen Auswirkungen des Ersten Weltkrieges war es den verantwortlichen städtischen Politikern ein besonderes Anliegen, die ehemalige wirtschaftlich-kulturelle Bedeutung ihrer Stadt am Rhein wiederzuerlangen. Das Thema der Düsseldorfer Ausstellung war der menschliche Körper, seine Erscheinung, seine Funktionen und sein wirtschaftliches Potential.

Wever fertigte als fest angestellter Künstler etwa 60 grafische Arbeiten für die „GeSoLei“. Mit dieser Auftragsannahme eröffnete sich für den Kunstmaler ein völlig neuer Arbeitsbereich. Erstmalig standen seine künstlerischen Produkte im Dienste der Information und Werbung.

Eine Besonderheit in diesem Zusammenhang sind 32 großformatige, in Kohle gezeichnete Schwarzweiß-Porträts. Diese Herren-Bildnisse schmückten während der „GeSoLei“ die Wände des so genannten Honoratiorenstübchens im Ratskeller, einer Lokalität, in der man die offiziellen Gäste der Ausstellung empfing.

Die obligatorische öffentliche Sonntagsführung beleuchtet einen ganz anderen Aspekt des Lebens Heinz Wevers. Der Rundgang am Sonntag, den Dr. Eckard Trox begleiten wird, wird den politisch-kulturhistorisch bedeutsamen Teil seines Werkes in den Mittelpunkt stellen. Als Wever sein Leben 1930 nach Berlin verlagerte, ergaben sich vielfältige Kontakte zu Offiziers- und Soldatenkreisen, die er neben seiner Tätigkeit für Berliner Illustrierte pflegte. Die Plakatentwürfe, seine grafischen Arbeiten für den Stahlhelm und den Bund der Frontsoldaten machen dies deutlich. Ab 1933 wirkte er für Veteranenverbände und Reichsluftschutzbund im soldatischen Kontext weiter.

Den in diesem Zusammenhang entstandenen grafischen Arbeiten wohnt etwas bekenntnishaft Politisches inne. Demgegenüber etablierte Wever sich nach seiner Rückkehr aus Berlin ins Sauerland eher als ‚Heimatkünstler’ in Bild und Wort – eine vermeintliche Diskrepanz, die es anhand der zahlreichen in der Ausstellung präsentierten Werkbeispiele aufzulösen gilt. Der Beitrag für die Führung beträgt einen Euro zuzüglich Eintritt.

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