Stadtwerke senken Strompreis - Aber Netzentgelte ziehen an

Die Kilowattsunde wird billiger. Ob der Betrieb des Wasserkochers ab April aber günstiger wird, hängt vom Gesamtverbrauch ab.

Lüdenscheid - Die Stadtwerke Lüdenscheid senken die Gaspreise in den Grundversorgungs- und Sondertarifen für Privat- und Gewerbekunden mit Wirkung zum 1. April. Beim Strom wird es komplizierter. Dort gilt die Faustformel: Wer wenig verbraucht, zahlt mehr. Ein großer Teil der Kunden wird Geld sparen, ein kleiner Teil zahlt mehr.

Nach Angaben von Stadtwerke-Sprecher Andreas Köster ergibt sich bei den Strompreisen ein unterschiedliches Bild: Durch gefallene Börsenpreise sind auch die Beschaffungskosten gesunken. „Diesen Vorteil geben die Stadtwerke Lüdenscheid an die Kunden weiter und können somit den Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh) um 1,29 Cent senken.“ Das ist die gute Nachricht.

Allerdings müssen die Stadtwerke aufgrund gestiegener Netzentgelte den Grundpreis anheben, den jeder Stromkunde einmal im Jahr bezahlen muss. Zudem sei der staatliche Anteil am Strompreis – insbesondere durch erhöhte Kosten aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWK) – weiter gestiegen. Die höheren Netzentgelte seien auch kein isoliertes Problem der Stadtwerke, denn alle Anbieter mit Kunden in Lüdenscheid seien von der Erhöhung betroffen, so Köster. Für mehr als drei Viertel der Stadtwerke-Stromkunden werde es dennoch unterm Strich günstiger.

Ein paar Beispiele: Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt rund 20 Euro (brutto) oder 1,7 Prozent weniger für Strom. Lediglich Kunden mit einem geringen Stromverbrauch müssen mit einer geringen Preiserhöhung rechnen, weil die Senkung des Arbeitspreises die Grundpreiserhöhung durch die gestiegenen Netzentgelte nicht mehr auffangen kann. Das heißt: Bei einem angenommenen durchschnittlichen Jahresverbrauch von 2000 Kilowattstunden erhöhen sich beispielsweise die Kosten pro Jahr um rund 5,50 Euro (brutto) oder 0,87 Prozent. Analog zu den Senkungen im Privatkundensegment sinken auch durchgehend die Strompreise für Gewerbekunden.

Die Netzentgelte, deren Höhe von der Bundesnetzagentur geregelt wird, machen inzwischen 25 Prozent des Strompreises aus. Vier Unternehmen sind in Deutschland für die Übertragung von Strom in Höchstspannung zu den Verbrauchszentren verantwortlich. Amprion, Tennet, 50Hertz Transmission und Transnet BW haben tausende von Leitungskilometern gespannt und bringen unter anderem Windstrom von der Küste ins Land. Diese Kosten werden auf regionale Betreiber umgelegt. Das führt nun dazu, dass der Grundpreis um rund 30 Euro auf rund 104 Euro klettert. Trotz der Erhöhung bewegten sich die Netzentgelte hier noch im „durchschnittlichen Bereich“ so Köster weiter. Weitere 54 Prozent des Strompreises sind mit Steuern und Abgaben staatliche Belastungen. Köster: „Wir können nur noch 21 Prozent der Kosten überhaupt beeinflussen.“

Beim Gas ist es deutlich einfacher: Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden zahlt beispielsweise rund 38 Euro (brutto) oder 2,28 Prozent weniger für Gas. - be

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