Viel Applaus für Martin Frommes „unkorrektes“ Programm

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Comedian Martin Fromme macht seinen deformierten linken Arm zum Teil seiner Show.

Lüdenscheid - Wo liegen die Grenzen des guten Geschmacks? Dieser Frage wollten Youngcaritas Märkischer Kreis sowie die mobile Jugendkirche „überdacht“ am Mittwoch beim fünften Teil ihrer Veranstaltungsreihe zum Thema Integration „All inclusive“ nachgehen. Zunächst trat im bis auf den letzten Platz besetzten Alternativen Jugendzentrum (AJZ) der bekannte Comedian Martin Fromme auf.

Sich über seine eigene Körperbehinderung lustig zu machen, ist für Fromme kein Problem, was schon der Titel seines aktuellen Programms „Besser Arm ab als arm dran“ beweist, und auch andere Menschen mit Behinderungen, vorzugsweise Prominente, sind für den Spaßmacher nicht tabu. Denn kann es nicht auch eine Form der Diskriminierung sein, wenn man es sich verschämt verkneift, Scherze über Behinderungen zu machen?

Martin Fromme erzählt auf der Bühne nicht nur freimütig politisch unkorrekte Geschichten über die nicht unerheblichen Probleme eines Rollstuhlfahrers im Bordell oder outet sich freimütig mit seinem seit der Geburt deformierten linken Arm als Erfinder der asiatischen Winke-Katze. Er brachte am Mittwoch auch zahlreiche kurze Filmeinspieler mit, in denen er seine Rolle als Mensch mit Behinderung karikiert, zum Teil mit versteckter Kamera. So macht sich Fromme in einem Clip über Betroffenheitsfilme lustig, die oft über Menschen mit Handicap gedreht werden. Fromme ist darin traurig und möchte sich operieren lassen – allerdings nicht, um die Funktionsfähigkeit seines unvollständigen linken Arms wieder herzustellen. Vielmehr will er sich das rechte Bein amputieren lassen, damit sich sein Körper bei der Fortbewegung wieder im physischen Gleichgewicht befindet.

Ohne mit der Wimper zu zucken erlaubt Fromme Autofahrern mit dem Hinweis auf seine Behinderung, ihr Auto auf einen Behindertenparkplatz zu stellen. Dass er zu dieser Erlaubnis gar nicht befugt ist, kommt vielen gar nicht in den Sinn. Auch mit dem fiktiven, von ihm getrennten Siamesischen Zwilling machen die Zuschauer per Film Bekanntschaft, der den Zuschauern erzählt, was die gar nicht wirklich wissen wollen – zum Beispiel, dass er von seinem Bruder bei der Trennung vier Nieren sowie sämtliche Hoden abbekommen habe.

Eigentlich gar nicht lustig, aber teilweise völlig absurd gestalteten sich von Fromme gezeigte Fotos von Orten und Infotafeln für Menschen mit Behinderungen, die diese unmöglich nutzen oder beachten können: Hinweisschilder für Rollstuhlfahrer, doch bitte die Treppe zur Behindertentoilette zu benutzen, Rollstuhlrampen, die im Nichts oder vor einen Geländer enden oder gar so steil sind, dass der Rollifahrer locker auf Renngeschwindigkeit beschleunigen würde, wenn er so lebensmüde wäre, sie zu benutzen.

Martin Frommes Programm stieß auf große Zustimmung und Applaus beim Publikum, das im zweiten Teil des Abends von den Moderatoren Tobias Rödel (Youngcaritas) und Eva Müller („überdacht“) aufgefordert wurde, politisch unkorrekte Witze aufzuschreiben. Nach dem Vorlesen stimmten die Zuschauer ab, über welche Witze noch gelacht werden kann und welche eine moralische Grenze überschreiten.

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