Mildes Urteil für Eintags-Diebin

Verurteilte „ganz fertig“: „Ich bin doch schuldig“

Lüdenscheid - Rätselhaft blieb im Amtsgericht Lüdenscheid das Verhalten einer 46-jährigen Angeklagten, die weder vor, noch nach dem 25. Februar 2016 jemals straffällig wurde. An jenem Tag war sie jedoch gleich zweimal als Diebin unterwegs.

Erwischt wurde sie im Drogeriemarkt Müller, den sie mit unterschiedlichen Waren im Gesamtwert von 108,01 Euro durch den Hintereingang in Richtung Rathausbrücke verlassen wollte. Alles Mögliche – „quer durch die Bank“ – sei in ihrer mitgebrachten Tüte gewesen, stellte Richter Andreas Lyra in der Verhandlung fest: Domestos, Schauma-Shampoo, ein Möbelintensivpflegemittel, Socken, Bonbons und die nach einem berühmten Künstler des Mittelalters benannten Giotto-Knusperkügelchen. Hackfleisch, Käse und Lachs stammten nicht aus dem Müller-Markt. Statt diese als einen regulären Einkauf zu deklarieren, gab die Diebin sofort zu, dass sie die Nahrungsmittel zuvor im Rewe-Markt geklaut hatte. Und so blieben die gestohlenen Waren letztlich alle in den beiden Geschäften.

„Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist“, beteuerte die Diebin im Gerichtssaal. „Ich bin ansonsten normal.“ Geld habe sie ausreichend dabei gehabt – „um zwei Karten für einen Flug zu bezahlen“.

Richter Andreas Lyra nahm ihr Stichwort von der „großen Dummheit“ auf und entschied sich für eine gnadenreiche Variante der Rechtsprechung: Er verurteilte die 46-Jährige zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro. Allerdings gibt es in eher seltenen Fällen auch bei Geldstrafen eine Bewährungschance. Zwei Jahre lang darf sich die Angeklagte nichts zuschulden kommen lassen – dann wird die Strafe erlassen.

„Ich bin ganz fertig“, verabschiedete sie sich im Prinzip recht dankbar. „Ich bin doch schuldig!“

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