„Von Gästen zu Freunden“

Taverne bei Manuel schließt nach fast 20 Jahren

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Die „Taverne bei Manuel“ öffnet am Sonntagabend zum letzten Mal. Ab Montag bleiben die Türen des griechisch-mexikanischen Restaurants geschlossen.

LÜDENSCHEID - Die Taverne bei Manuel an der Worthstraße schließt: Am Sonntag bewirten Soultana Dospati und Manolis Kiriakidis ihre Gäste zum letzten Mal. Nach fast 20 Jahren sperrt der Familienbetrieb am Sonntagabend die Türen zu.

Für immer. Nicht, weil es nicht mehr lohnt. Nicht, weil es keinen Spaß mehr macht. Nicht, weil gesundheitliche oder familiäre Probleme es erforderten. Grund für die Entscheidung, die sich das Ehepaar nicht leicht gemacht hat, ist einzig und allein der Wille zur Veränderung.

„Wir sind jetzt beide Anfang 50“, erklärt Köchin und Inhaberin „Sula“ Dospati, „und beide bei guter Gesundheit. Wenn wir in unserem Leben etwas anders machen wollen, dann jetzt.“ Zeit – das ist dabei das Zauberwort für die Gastwirte. Denn: Die hatten sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum. Das Lokal, in dem die Gäste griechische und mexikanische, anfangs auch italienische Gerichte genossen, war von Beginn an und ist bis zuletzt ein Familienunternehmen. Sie stand in der Küche, er stemmte den Service – meist allein, selten mit Personal, zu Stoßzeiten aber oft mit Hilfe von Bruder, Nichten oder den beiden Söhnen samt Freundin. Die Jungs, 31 und 25 Jahre alt, haben sich beruflich längst anderweitig orientiert, werden also nicht in die elterlichen Fußstapfen treten. Und einen geeigneten Pächter hat das Ehepaar trotz langer Suche zu seinem Bedauern auch nicht gefunden. Daher steht fest: Die „Taverne bei Manuel“ gibt es ab Montag nicht mehr.

Die Erleichterung, den lange vorbereiteten Schritt jetzt zu tun, ist der 52-Jährigen und ihrem ein Jahr älteren Mann anzusehen, aber auch die Erschöpfung. „Gastronomie ist heute nicht mehr so einfach.“ Das weiß das Ehepaar nicht erst seit seinem Schritt in die Selbständigkeit im März 1998. Damals übernahmen die beiden ein Lokal, das eher Kneipe als Restaurant war und bauten es auf zu einem rustikalen und familiären Treffpunkt für Genießer verschiedener Spezialitäten. Italienische Pizza fand sich in der ersten Zeit auf der Karte ebenso wieder wie mexikanische Burritos oder Souvlaki und Lamm vom Grill. Die hellenische Küche liegt den Lüdenscheidern im Blut, zogen sie doch als Kind bzw. Jugendlicher mit ihren Familien aus Griechenland hierher. Erste Erfahrungen in der Gastronomie sammelte „Manuel“ Kiriakidis im elterlichen Café, später dann als Kellner bei einem angestammten Lüdenscheider „Griechen“. Und zuletzt – seit nunmehr 18 Jahren – als selbstständiger Gastwirt.

Viele Gäste kamen und gingen. Viele kamen immer wieder, wurden von Kunden zu Freunden, feierten Familienfeste in der Taverne und schmiedeten Zukunftspläne an den massiven Holztischen und in den gemütlichen Nischen. Den Kontakt zu einigen von ihnen will das Ehepaar halten, mehr noch: intensivieren. Denn: Endlich haben die beiden Zeit, können Wochenenden und Feiertage genießen und müssen nicht dann in Küche und Gastraum stehen, wenn andere frei haben. Urlaub machen, Familie und Freunde treffen, Haus und Garten pflegen – darauf freuen sich die beiden jetzt erst einmal. Jobs als Angestellte – jenseits der Gastronomie – sollen das Familieneinkommen sichern. Und vielleicht, so ihre Hoffnung, findet sich ja doch noch ein Pächter, der genauso viel Herzblut in ein neues Restaurant steckt, wie die Familie Dospati / Kiriakidis es immer getan hat. Ihr Dank gilt den Gästen, die ihnen über all die Jahre die Treue gehalten haben.

Einen Hinweis geben die Wirtsleute ihren Gästen: Wer noch Verzehr-Gutscheine für die Taverne hat, kann sich bis Ende September melden und bekommt den Betrag nach Vorlage erstattet (Tel. 0 23 51 / 86 15 33).

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