Streit um 300.000-Kilometer-Laufleistung vor Gericht

Lüdenscheid - Hat ein Autoverkäufer die tatsächliche Laufleistung eines Fahrzeugs von 300 000 Kilometern dem Käufer verschwiegen? Diese Frage muss das Amtsgericht klären

Kilometerzähler sind ein beliebtes Betätigungsfeld von Autoverkäufern, die Fahrzeuge mit hohen Laufleistungen ein bisschen aufhübschen wollen. Dass ein 44-jähriger Lüdenscheider einen Golf Kombi mit einem gebrauchten Kilometerzähler ausgestattet hatte, war jüngst unstrittig im Amtsgericht Lüdenscheid. Die Frage war nur, ob er den Käufer im Jahr 2010 über die sehr hohe Laufleistung des Fahrzeugs hatte täuschen und somit hatte betrügen wollen.

Die Anklage wirft ihm genau das vor und dazu eine Urkundenfälschung: Der 44-Jährige soll auf einer Kaufurkunde die Unterschrift des Käufers gefälscht haben, um in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht den Anschein zu erwecken, dass dieser vom Einbau des „neuen“ Kilometerzählers gewusst habe.

In dem Verfahren ging es 2014 um die Rückabwicklung des Kaufes und der Angeklagte wurde entsprechend verurteilt. Im Amtsgericht Lüdenscheid erklärte der 44-Jährige seine Sicht der Ereignisse: „Ich habe aus Kostengründen einen gebrauchten Tacho vom Schrottplatz geholt.“ Die tatsächliche Laufleistung des Fahrzeugs von 300 000 Kilometern sei aber auf dessen letztem TÜV-Prüfbogen eingetragen gewesen. „Es kann nicht sein, dass der Käufer nicht gewusst hat, wie viel das Fahrzeug tatsächlich gelaufen hatte“, behauptete er und unterstrich diese Behauptung mit dem Verweis auf eine angeblich vom Käufer unterschriebene Kaufurkunde, auf der sich ein entsprechender Hinweis befunden habe.

Einer der beiden Käufer bestritt, dass die Unterschrift auf diesem Vertrag von seiner Hand ausgeführt worden sei: „Das ist definitiv nicht meine Unterschrift.“ Und was die angebliche Kilometer-Angabe auf dem TÜV-Bericht angehe, habe sich genau an dieser Stelle ein schwarzer Fleck befunden. Er habe also von der hohen Laufleistung des Autos nichts wissen können.

Zur Klärung, ob die Unterschrift auf dem Dokument möglicherweise vom Zeugen stamme, wie es der Angeklagte behauptete, sollte Ersterer noch im Gerichtssaal 15 Unterschriftenproben abgeben. Auf Antrag von Strafverteidiger Dirk Löber soll nun ein Graphologe die Dokumente vergleichen.

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