6500 Datensätze für eine Zwangsarbeiter-Datenbank

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Stadtarchivar Tim Begler und Kulturdezernent Thomas Ruschin stellten die neue Zwangsarbeiter-Datenbank vor.

Lüdenscheid - Das Problem war rechtlicher Natur: „Es kann möglich sein, dass verschiedene Personen noch leben. Personenbezogene Daten stehen unter Schutz und dürfen nicht öffentlich gemacht werden.“ Viel Arbeit hat Stadtarchivar Tim Begler investiert, um eine repräsentable Zwangsarbeiter-Datenbank für Lüdenscheid zu erstellen. Eine Datenbank allerdings, die „so transparent wie möglich ist, aber nur so weit reicht, wie das Recht es erlaubt“, unterstrich bei der Vorstellung des Projektes im Stadtarchiv Kulturdezernent Thomas Ruschin.

Es gebe ein öffentliches Interesse, und es würden auch Nachforschungen angestellt, aber das Archivgesetz regele eine Einsichtnahme, vor allem für Dritte. Daten seien erst zehn Jahre nach dem nachgewiesenen Tod oder 100 Jahre nach der Geburt öffentlich, erläuterte der Stadtarchivar.

6500 Datensätze wird die Datenbank für Zwangsarbeiter umfassen – mit unkenntlich gemachten personenbezogenen Daten, wohl aber mit Zuzug und Wegzug, Beruf, Adresse oder auch die Firma, in der der- oder diejenige beschäftigt war: „Die Anonymisierung erfolgte nur im Hinblick auf das Opfer, Wohnsitz und Firma sind erkennbar, weil das historische Fakten sind.“

Bereits im Jahr 2001 hatten Mitarbeiter des Geschichts- und Heimatvereins entsprechende historische Unterlagen ausgewertet, ursprünglich, um Nachforschungen für Anträge auf Entschädigung zu erleichtern. So entstand – eher zum internen Gebrauch – eine Datenbank, die nun erweitert wird und im Laufe des Sommers gemäß den gesetzlichen Bestimmungen öffentlich (auch im Internet) einsehbar ist. Für diese Datenbank gelten die Fristen in besonderem Maß. Da nur in wenigen Fällen das Todesdatum bekannt ist und die Betroffenen häufig sehr jung waren und zum Teil sogar die Kinder der Zwangsarbeiterinnen aufgeführt sind, die in Lüdenscheid geboren wurden, kam eine Veröffentlichung in der ursprünglichen Form nicht infrage. Begler: „Die geplante Datenbank ist für Forschungen gedacht. Oder zum Beispiel für Lehrer hilfreich, um den Schülern klar zu machen, dass Zwangarbeit nicht irgendetwas Abstraktes ist, sondern genau vor der Haustür stattfand.“

Die Originale sind nach wie vor sicher unter Verschluss. Betroffene hatten schon immer das Recht auf Nachforschung. Aber es gebe unterschiedliche Gründe, warum die Menschen nicht wollen, dass jemand Fremdes die eigene Lebensgeschichte erfährt, so Begler, der auch darauf hinweist, dass die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: „Die Dunkelziffer dürfte da sehr hoch sein.“

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