Sicherheitsverwahrung

Guido W. wegen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt

+
Justizbeamte bringen den gefesselten Angeklagten Guido W. zu seinen Verteidigern in den Gerichtssaal.

Lüdenscheid/Hagen - Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik statt Haft – mit diesem Ergebnis endete am Donnerstag das Verfahren gegen Guido W. im Landgericht Hagen. Verurteilt wurde er wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwei Fällen zu einer Haftstrafe von vier Jahren.

Doch dieses Strafmaß verblasste vor der Aussicht, zeitlich unbefristet in eine geschlossene Anstalt zu gehen. Zuvor hatte er sich überraschend bereit erklärt, doch noch mit dem psychiatrischen Gutachter Dr. Bernhard Bätz zu sprechen. Das dauerte beim vereinbarten Termin so lange, bis die Aufseher den Psychologen um 20 Uhr baten zu gehen.

Tags darauf gab es ein weiteres Gespräch, in dem sich der Angeklagte sehr offen gezeigt habe, berichtete der Gutachter. Er sah dessen Willen, sich einer Therapie in einer geschlossenen Einrichtung zu stellen, sehr positiv: „Er ist ein Mensch, der für sich bei entsprechenden Bemühungen etwas erreichen kann im Maßregelvollzug.“

Ein Pfund mag dabei W.s selbstkritische Einsicht in seine pädophile Veranlagung sein: So hatte er zwischen den beiden abgeurteilten Übergriffen im Dezember 2014 und Januar 2015 die Polizei angerufen und bekundet, dass er sich davor fürchte, dass es zu einem Übergriff kommen könne. „Intelligenzmäßig wäre erheblich mehr drin gewesen, als er erreicht hat“, bedauerte der Gutachter.

Staatsanwalt Nils Warmbold nahm in seinem Plädoyer die Diagnose einer „erotisierten pädagogischen Pädophilie des Angeklagten auf: „Man rettet keine Kinder, indem man sich um ihre Herzen bemüht, aber ihre Seelen bricht.“ Strafverteidiger René Litschner sah nach dem Gesinnungswandel seines Mandanten Anlass für eine „180-Grad-Wendung“ und stellte sich dem Gutachten und einer Einweisung in den Maßregelvollzug nicht entgegen. „Er begreift, dass er mit solchen Handlungen Kindern schadet.“

Mehr zum Fall lesen Sie hier

Der Vorsitzende Richter Marcus Teich lenkte in seiner Urteilsbegründung den Blick auf W.s erhebliche Anstrengungen, sich durch den Anspruch, Kindern zu helfen, ein sehr spezielles soziales Umfeld zu schaffen. Über den Kontakt zu Kindern habe W. eine Befriedigung gesucht, die vor allem darin bestehe, sich um die Kinder zu kümmern. Doch diese Zuwendung, die von den Kindern durchaus anfangs geschätzt wurde, sei „erotisch grundiert“ gewesen und habe letztlich egoistischen sexuellen Zwecken des Angeklagten gedient. „Es ging nicht nur ums Kümmern.“

Der Richter stellte fest, „dass Herr W. eine Gefahr für die Allgemeinheit und insbesondere für die Kinder darstellt“. Die Gefahr sei groß, dass sich solche Vorkommnisse wiederholten. „Die Maßregel ist zwingend erforderlich, um weitere Kinder vor Übergriffen zu schützen. Da geht es um die körperliche und seelische Unversehrtheit von sehr jungen Kindern.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare