Schutzgeld-Prozess: Zusammenhänge noch unklar

Lüdenscheid - Es war ein mysteriöser Vorgang, diese missglückte Festnahme am 3. September 2015. Aber er war der Ausgangspunkt für die verdeckten Ermittlungen, die zur Festnahme der Angeklagten geführt haben.

Ein Mann hatte – vermutlich nach einer heftigen Auseinandersetzung – gegen 16 Uhr in einem Wettbüro in der Kersting-Passage am Rathausplatz einen Warnschuss abgegeben. Das Projektil durchschlug eine Fußmatte und zersplitterte die Fliesen darunter. Der Schütze entkam, obwohl die Polizei ihn schon festgenommen hatte, unter ungeklärten Umständen.

Über die wahren Hintergründe der angeblichen Schutzgeld-Erpressung sagen die Angeklagten zu Prozessbeginn nichts. Doch der Jüngste auf der Anklagebank, ein 23-jähriger Lüdenscheider und Freund des mutmaßlichen Bandenchefs, schildert im Prozess die Geschehnisse des 3. September – und berichtet auch über die Vorgeschichte.

Demnach war er mit dem 37-jährigen Hauptangeklagten und dem späteren Pistolenschützen, ebenfalls ein Lüdenscheider, nachmittags in der Innenstadt unterwegs. Man wollte ins Café Abantaz am Rathausplatz. Auf der Brücke zwischen Stern-Center und Rathausplatz habe der Bekannte plötzlich eine Schusswaffe aus der Tasche gezogen. In dem Wettbüro habe er den Betreiber bedroht. „Deine Uhr tickt, du wirst im Rollstuhl landen!“ Welche Rolle sein Freund bei der Sache spielte, mit dem er in der Altstadt ein Café eröffnet hatte, wisse er nicht, so der 23-Jährige.

Doch die beiden hatten offenbar noch große Pläne. Anfangs erzählte Murat S. seinem jungen Bekannten über seine Spielhallen, „dann nahm er mich mit“. Der Lüdenscheider lernte, die Automaten zu warten und zu reparieren und gab seinen festen Job auf, um nur noch für seinen Gönner und Förderer zu arbeiten. Angeblich wollte der in Schweden bald einen großen Supermarkt eröffnen. „Ich sollte dann für ihn Geschäftsführer in Deutschland werden.“

Dass ihm bei aller Nähe zu dem Lüdenscheider Kaufmann dessen illegale Machenschaften verborgen geblieben sind, das bezweifeln die Staatsanwälte. Auch die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen fragt mehrmals nach, was der Hauptangeklagte mit dem Wettbüro-Inhaber zu tun hatte – ohne Erfolg. Angeblich hat sich der 23-Jährige bei einem anderen Treffen mit dem Inhaber darüber gewundert, dass der ängstlich zu sein schien.

Gegenüber einem Polizisten sagte der Wettbüro-Mann in einer ersten Vernehmung aus, er habe „schon seit einem halben Jahr Probleme“ mit dem 37-Jährigen. „Ich zahle nicht, deshalb habe ich Ärger mit dem.“ Das sei kein Einzelfall sondern in mehreren anderen Läden auch so.

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