Schwieriges Verfahren

„Schutzgeld-Prozess“: Der Umgangston wird ruppiger

Lüdenscheid - Nach den Tumulten im Gerichtssaal, die am Donnerstag ein massives Eingreifen der Sicherheitskräfte erforderlich machten, haben sich auch am neunten Prozesstag, die Gemüter noch nicht wieder beruhigt. Nahezu alle Prozessbeteiligten wirken angespannt, der Umgangston zwischen den Juristen ist zeitweise ruppig, die Vorsitzende Richterin, Heike Hartmann-Garschagen, hat Mühe, ihre Zeugenvernehmungen ungestört von Zwischenrufen durchzuziehen.

Die Schwester des Hauptangeklagten hat sich nach anfänglichem Schweigen dazu entschlossen, teilweise mit der Justiz zu kooperieren. So erklärt sie den Richtern, mit welchen Schlüsseln Spielautomaten geöffnet werden – hauptsächlich, um den Hohenlimburger Gastwirt zu belasten, der eigenmächtig Geld aus den Geräten für sich abgezweigt haben soll.

Gleichzeitig ist die Angeklagte in Erklärungsnot geraten. Denn bei ihr und einer Mitgefangenen wurde in der Justizvollzugsanstalt offenbar ein Smartphone gefunden. Filiz bestreitet, es benutzt zu haben und bittet um eine baldige Auswertung des Telefons, um ihre Behauptung zu stützen. Ihr Verteidiger Ingo Thiee: „Da wird sich nichts finden.“

Alles zum Prozess

Möglicherweise wird der Graben zwischen dem Hauptangeklagten und seinem ehemaligen Schützling Murat Yasin H. (23) noch tiefer. Denn die Verteidiger des jungen Mannes, der als einziger zu Prozessbeginn Angaben gemacht hat, hat über seine Verteidiger eine weitere geständige Einlassung angekündigt.

Derweil beschreibt der Ex-Betreiber des griechischen Cafés am Rathausplatz aus seiner Sicht seine Geschäftsbeziehung zu dem 37-jährigen Automatenaufsteller. Die Schulden von rund 20 000 Euro, die der 44-Jährige bei seinem Freund hat, sollten offenbar über die Einnahmen aus den Automaten nach und nach getilgt werden.

Angesichts der Verteidiger, die die Prozessbeteiligten nur ungern ausreden lassen, platzt Staatsanwalt Axel Noelle, der bislang eher zurückhaltend agiert, der Kragen. Er schnauzt Rechtsanwalt Wolf Bonn an: „Sie reden ständig dazwischen. Halten Sie doch einfach mal den Mund!“

Der Prozess wird am 6. September um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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