Schutzgeld-Prozess: Muskulöse Männer mit Schweigerecht

Lüdenscheid - Der Gastwirt aus Hohenlimburg hat einen schweren Stand vor Gericht. Er gilt in den Augen der Staatsanwaltschaft als eines der Opfer der mutmaßlichen Erpresserbande. Aber die Verteidiger piesacken ihn mit unangenehmen Fragen und versuchen, seine Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Der Verdacht, dass der 48-Jährige Profit aus der misslichen Lage der Angeklagten schlagen will, steht im Raum. Er sitzt auf dem Zeugenstuhl und knurrt Murat S. an: „Ich will mein Geld.“ Dafür erntet er finsterste Blicke von der Anklagebank.

Die 4. große Strafkammer hat eine Reihe von Zeugen geladen, gegen die derzeit ermittelt wird und die laut Polizei zum „Schlägertrupp“ des Lüdenscheider Automatenaufstellers gehören. Doch sie sind nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten und haben demnach ein umfassendes Recht, die Aussage zu verweigern.

Große, breite Männer mit Tätowierungen betreten nacheinander den Saal. Ein 28-jähriger durchtrainierter Gerüstbauer aus Lüdenscheid. „Ich sage nicht aus.“ Ein Sportwetten-Veranstalter aus Köln. „Ich nehme in Anspruch, nix zu sagen.“ Ein derzeit arbeitsloser Türsteher (33), ebenfalls aus Köln, Bodybuilder, Motorradjacke, Tattoos sogar im Gesicht. „Ich mache von meinem Schweigerecht Gebrauch.“ Und ein Düsseldorfer Gastronom, der ebenfalls dubiose Dienste für den Lüdenscheider erbracht haben soll. „Ich möchte nichts sagen.“

Doch ein junger Leiharbeiter aus Lüdenscheid, der berichtet, was er für Murat getan hat. Er ist ein Bekannter des 23-jährigen Mitangeklagten. „Ich habe einen Anruf gekriegt, ich sollte von so einem Typen aus einer Bäckerei am Kluser Platz Geld abholen. Das war so eine türkische Fladenbrot-Bäckerei.“ Das Geld habe in einem Briefumschlag gesteckt. „Ich habe gesagt, ich komme von Murat, dann gab der Bäcker mir den Umschlag, Ende, Aus.“ Das Geld habe er an den Hauptangeklagten weitergegeben. Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen fragt: „Haben Sie etwas dafür bekommen?“ Der Zeuge: „Nein!“

Der Prozess wird am 28. Juli um 9.30 Uhr im Saal 201 des Hagener Landgerichts fortgesetzt.

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