Landgericht Hagen

Schutzgeld-Prozess am Landgericht: Zeuge redet, aber sagt nicht viel

Lüdenscheid - Im Verfahren gegen die mutmaßliche Lüdenscheider Schutzgeld-Mafia vernimmt die 4. große Strafkammer einen weiteren Zeugen, der möglicherweise Insider-Kenntnisse über die Machenschaften des Hauptangeklagten und seiner Bekannten hat.

Es handelt sich um einen 24-jährigen Arbeitslosen. Gegen ihn wird ermittelt, weil er nach Worten von Richterin Heike Hartmann-Garschagen „an verschiedenen Taten beteiligt“ gewesen sein soll. Insofern steht dem jungen Mann ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht zu, weil er bekanntlich nicht gezwungen werden kann, sich selbst zu belasten. Überraschenderweise verzichtet der Zeuge jedoch auf sein Schweigerecht. Aber was er sagt, bringt trotzdem nur wenig Licht ins Dunkel.

Die Richterin fragt ihn, ob er mal bei dem Spielhallen-Wirt in Hohenlimburg gewesen ist, der schon mehrfach als Belastungszeuge ausgesagt hat. Antwort: „Ja, Murat (der Hauptangeklagte, Anm.d.Red.) hat gesagt wir sollten schnell dahinkommen.“ Die logische Frage der Richterin folgt: „Warum, was sollten Sie da?“ Der Zeuge: „Ich habe nicht gefragt, warum.“ Um was es dort ging, kann oder will der 24-Jährige ebenfalls nicht sagen. „Ich habe keine Gespräche mitbekommen.“

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Offenbar gehörte der erwerbslose Lüdenscheider eine zeitlang der Entourage des Automatenaufstellers an. Er kennt auch den Mitangeklagten Murat Yasin H. und Filiz S., die Schwester des angeblichen Mafiosos. Die Richterin scheint tiefergehende Erkenntnisse aus den Akten zu haben. „Hat er Sie mal bedroht?“ Der Zeuge zögert. „Ja, weil ich irgendwas gesagt habe.“ – „Was haben Sie denn gesagt?“ – „Weiß ich nicht mehr.“ Auch in einen Düsseldorfer Saunaclub hat er Murat S. und seinen Gehilfen nach eigenen Worten mal begleitet. Dort habe ein Treffen mit dem Wirt des griechischen Cafés am Rathausplatz stattgefunden. Der Zeuge bleibt auch hier höchst vage. „Die hatten was zu klären.“ Mehr wisse er nicht.

Filiz’ Verteidigerin, die Düsseldorfer Rechtsanwältin Dörthe Clemens, hat derweil andere Sorgen. Ihre Mandantin hat im Gefängnis schon zwei Monate keinen Besuch mehr bekommen. „Es ist unklar, warum.“ Die Richterin möge das doch bitte klären.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.30 Uhr in Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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