Schutzgeld-Prozess am Landgericht: „Der tyrannisiert die ganze Stadt“

Lüdenscheid - Rechtsanwalt Michael Aßhauer, einer der drei Verteidiger des Hauptangeklagten, versucht es zumindest. Am zehnten Verhandlungstag stellt er den Antrag, den Untersuchungshäftling Murat S. (37) auf freien Fuß zu setzen.

Angesichts „unklarer und falscher Angaben“ des Belastungszeugen aus Hohenlimburg (wir berichteten) bliebe als Vorwurf gegen seinen Mandanten „höchstens Nötigung“ übrig. Der Wirt der Spielhalle stehe hingegen als „durchtriebener Betrüger“ da, so Aßhauer. Doch die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschhagen reagiert unterkühlt auf den Antrag. „Wir werden uns beraten und zu gegebener Zeit entscheiden. Das wird aber nicht morgen früh sein.“

Diese augenscheinliche Skepsis der Kammer erhält durch einen weiteren Zeugen aus der Lüdenscheider Wettbüro- und Automatenszene neue Nahrung. Es handelt sich um den 34-jährigen Inhaber des Ladens in der Passage am Rathausplatz, in dem vor rund einem Jahr ein Schuss gefallen ist – und der verhindert hat, dass die Schwester des Automatenaufstellers die Festplatte mit den Videoaufzeichnungen von dem Vorfall entwendet und verschwinden lässt.

Etwa ein halbes Jahr zuvor, schildert der Lüdenscheider, habe Murat S. angefangen, ihn zu bedrohen. „Wenn du zehn Euro verdienen willst, musst du mich vorher fragen“, habe der gesagt. Und zu seinem Angestellten habe Murat gesagt: „Und wenn du hier zehn Euro verdienst, zahlst du 100 Euro Strafe an mich.“ Der mutmaßliche Kopf der Schutzgeld-Mafia habe „regelrecht Psychoterror“ auf ihn ausgeübt, „Ich habe immer noch Angst vor dem“, so der 34-Jährige im Gerichtssaal. „Der tyrannisiert die ganze Stadt.“

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Und dann fällt dem Zeugen noch eine andere Begebenheit ein, die er unaufgefordert zum Besten gibt. „Vor zwei Monaten waren zwei Brüder bei mir, die wollten Geld dafür bezahlen, dass ich hier nicht aussage.“

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