Schutzgeld-Prozess am Landgericht: „Der saß da wie ein Pascha“

Lüdenscheid - Im sogenannten Schutzgeld-Prozess schlägt die Stunde der Ermittler. Wochenlang haben zwei Kripo-Beamte aus Hagen Zeugen und mutmaßliche Opfer der Angeklagten befragt. Richterin Heike Hartmann-Garschagen ruft die Erinnerung der Polizisten ab. Aber sich den Inhalt tausender von Seiten zu merken, damit stoßen auch erfahrene Fahnder in der mündlichen Verhandlung an ihre Grenzen. Ein Umstand, den sich die Verteidiger erwartungsgemäß zunutze machen wollen.

Doch in den Kernpunkten wackeln die Zeugen keinen Zentimeter. Ein 48-Jähriger Ermittler der Hagener Kripo gibt den Inhalt von Vernehmungen wieder, in denen es um die mutmaßliche Erpressung eines Dönerbuden-Betreibers ging. Demnach hat der gegenüber der Polizei bestätigt, in einer Zockerhöhle am „Knapp“ von zwei beauftragten Schlägern und auch vom Hauptangeklagten Murat S. – „der saß da wie ein Pascha“ – geschlagen worden zu sein, damit er 5000 Euro an den Automatenaufsteller bezahlt. 

Angeblich war der Dönermann Schuld daran, dass eine Fete in einem Café am Rathausplatz vorzeitig beendet werden musste – und Murat verlangte das Geld als „Strafe“ und „Wiedergutmachung“.

Auch den Spielhallen-Wirt aus Hohenlimburg beschreibt der Zeuge von seinem Eindruck her als „eingeschüchtert und unter Druck“. Der griechische Wirt behauptet, noch Geld von dem Lüdenscheider Automatenaufsteller zu kriegen und habe von einer „Mafia, die die ganze Familie bedroht“ gesprochen.

Weitere Berichte zum Thema

Offenbar war der Kripo-Beamte auch Zeuge eines Besuchs der Familie von Murat S., anlässlich dessen er „erzählte, wer in Lüdenscheid alles kriminell ist – nur er selbst nicht“. Der Angeklagte habe bei der Gelegenheit unter anderem geäußert, dass es „nur seinem Einschreiten zu verdanken ist, dass es nicht schon Tote gegeben hat in Lüdenscheid“. Und er habe der Polizei bei diesem Gespräch „nachlässige Ermittlungen“ vorgeworfen.

Die Angehörigen der Beschuldigten hatten sich schon lautstark empört. Doch die Schwester des Hauptangeklagten soll weiterhin in Hand- und Fußfesseln aus dem Gelsenkirchener Frauengefängnis zum Prozess nach Hagen gebracht werden. Richterin Hartmann-Garschagen sagt: „Nach Auskunft von Mitgefangenen soll sie angekündigt haben, sich bei einem Transport befreien lassen zu wollen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare