Landgericht Hagen

Schutzgeld-Prozess: Keine störungsfreie Zeugenvernehmung

Lüdenscheid - Hätte es noch eines Nachweises bedurft, wie vergiftet das Klima im sogenannten Schutzgeld-Prozess ist – am jüngsten Verhandlungstag bemühten sich die Verteidiger nach Kräften, ihn wieder einmal zu erbringen. Ein wildes Durcheinander von Stimmen, laute Zwischenrufe, eine streckenweise verzweifelt wirkende Vorsitzende und ein erzürnter Staatsanwalt bildeten die Zutaten für eine Zeugenvernehmung, wie sie das Landgericht selten erlebt.

Ein massiger Automatenaufsteller (40) aus Wuppertal, in der dortigen Branche bekannt unter dem Spitznamen „3D-Giorgios“, hat sich mit dem Hauptangeklagten Murat S. offenbar heftige Revierkämpfe um Bars und Wettbüros geliefert. Darin verwickelt war auch der Spielhallen-Betreiber aus Hohenlimburg, dessen Rolle in dem ganzen Geschehen auch nach wiederholten Vernehmungen immer noch nicht ganz klar ist.

Klar scheint aber zu sein, dass der Lüdenscheider seine Automaten in der Hohenlimburger „Daddel-Höhle“ belassen, sein Konkurrent aus Wuppertal den Laden aber von seinem Landsmann komplett übernehmen und seine eigenen Geräte an die Wände hängen wollte. Wichtig war für den Lüdenscheider, seine Investition in ein großes griechisches Café am Rathausplatz wieder hereinzubekommen. Dort hatte der Mann aus Hohenlimburg 23.500 Euro als Starthilfe für seinen Freund hineingesteckt, und Murat hatte die so entstandenen Schulden des Wirtes vom Rathausplatz übernommen, um seine Automaten in dem Café platzieren zu können. Ob und wie viele Schulden wer an wen beglichen hat, was noch offen und welche Forderung berechtigt ist, dieses Dickicht ist noch nicht gelichtet.

Das liegt auch daran, dass die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen kaum eine Chance hat, eine einzige Vernehmung störungsfrei durchzuziehen. Obwohl sie Zwischenfragen der Rechtsanwälte zu unterbinden versucht, weil die nach der richterlichen und der staatsanwaltschaftlichen Vernehmung ohnehin das Fragerecht haben, bleiben laute Zwischenrufe an der Tagesordnung. Staatsanwalt Axel Noelle weist vergebens darauf hin, dass es „hier um die Achtung vor der Würde des Gerichts“ geht.

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Dass die Häftlinge in Hand- und Fußfesseln aus ihren Zellen zum Prozess gebracht werden, sorgt zusätzlich für wütende Proteste der Angehörigen im Zuschauerraum.

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