Schutzgeld-Prozess am Landgericht: Hartes Regiment in der Gastro-Szene

Lüdenscheid - Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschhagen hat Murat S. wiederholt ermahnt und mit Prozess-Ausschluss gedroht. Er soll nicht dazwischen quatschen, wenn ein Zeuge seine Aussage macht – und er soll keinen Kontakt zu seinen mutmaßlichen Komplizen aufnehmen. Der Hauptangeklagte hält sich nicht daran. Und wird trotzdem nicht ausgeschlossen.

Die Stimmung im Gerichtssaal ist nach wie vor aufgeheizt. Der ansonsten eher besonnen agierende Rechtsanwalt Ingo Thiee aus Bonn, einer der Verteidiger von Murats Schwester Filiz, fühlt einem Zeugen besonders intensiv auf den Zahn. Denn der Wettbüro- und Spielhallenbetreiber hat auch seine Mandantin ins Blickfeld der Anklage gerückt. Die Richterin geht dazwischen und rügt die suggestive Frageweise des Anwalts. „Herr Thiee, das ist nicht schön!“ Ingo Thiee antwortet: „Wir sind hier ja auch nicht auf einem Schönheitswettbewerb.“

Doch der 34-Jährige auf dem Zeugenstuhl bleibt bei seiner Version. Er gibt zu, „immer noch Angst“ vor dem Hauptangeklagten zu haben. „Ich kriege die Panik, wenn der mich anguckt.“ Murat S. bellt dazwischen: „Weil du lügst!“

Wenn die Schilderungen des Zeugen zutreffen, hat der Automatenaufsteller ein hartes Regiment geführt. Der 34-Jährige hat sich seinem Einfluss demnach bislang entzogen. „Aber er wollte unbedingt Automaten bei mir aufstellen.“ So habe Murat einen Gehilfen in einem Café angewiesen: „Ruf ihn an, der soll sofort hierher kommen.“ Der Zeuge: „Aber ich bin nicht dahin gegangen, ich habe sofort aufgelegt.“

Der Gastronom berichtet weiter, sein Vater betätige sich in verschiedenen Kneipen in der Innenstadt als Automatenaufsteller – also als Murats Konkurrent. „Da ist Murat in die Kneipen gegangen und hat die Wirte eingeschüchtert, damit sie von meinem Papa zu ihm wechseln.“ Bei einem Treffen habe der Hauptangeklagte dagegen „den Freund gespielt“, so der Zeuge. „Er sagte, wenn ich mit ihm zusammenarbeite, hätte ich nur Vorteile. Er würde im Rathaus und bei der Polizei die richtigen Leute kennen.“

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Ein weiterer Fall macht Murat S. und seinen Verteidigern zu schaffen: Murat Yasin H., der als junger Freund des Hauptangeklagten gilt, erweitert seine Aussage – und räumt ein, davon gewusst zu haben, dass dem Betreiber einer Dönerbude in der Fußgängerzone die Nase eingeschlagen werden soll.

Der Prozess wird am Donnerstag um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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