Schutzgeld-Prozess gerät ins Stocken: „Wahnsinnige Ohrenschmerzen“

Lüdenscheid - Der Terminplan beim Schutzgeld-Prozess droht noch weiter in Verzug zu geraten als ohnehin befürchtet. Zuerst sitzt der Hauptangeklagte Murat S. ganz ohne Verteidiger da, so dass der Prozesstag sowieso nicht stattfinden kann. Der Grund: Terminprobleme bei zweien der drei Rechtsanwälte und ein plötzlicher Zahnarztbesuch des dritten. Dann taucht mit einiger Verspätung doch noch Rechtsanwalt Michael Aßhauer auf. Doch nun erklärt Murat S., er habe „wahnsinnige Ohrenschmerzen“ und könne „nichts hören“.

Darüber kann und darf die Kammer nicht einfach hinweggehen. Die Richterinnen ziehen sich zur Beratung zurück, um dann zu verkünden: Der Angeklagte wird in eine Klinik gefahren und von einer Sachverständigen auf seine Verhandlungstauglichkeit hin untersucht. Der Prozesstermin platzt, die Zeugen können unverrichteter Dinge nach Hause fahren.

Unter ihnen ist ein Ehepaar, das in der Lüdenscheider Innenstadt eine gutgehende Bar betreibt und im Zeugenstand über Erfahrungen mit dem türkischen Automatenaufsteller berichten soll. Der junge Gastwirt und seine Frau wirken nervös. Sie spricht auf dem Gerichtsflur über ihre Angst und sagt: „Hoffentlich muss ich nicht anfangen zu weinen.“

Ihre Anspannung wird übers Wochenende hinaus andauern, das Ehepaar muss am 26. und 27. Oktober erneut am Landgericht erscheinen. Das hat ein anderer Lüdenscheider bereits hinter sich. Er ist ebenfalls Automatenaufsteller, betreibt auch Spielhallen und arbeitet erfolgreich mit dem Gastronomen und seiner Frau zusammen.

Doch der wirtschaftliche Erfolg deren Partnerschaft mit dem Lüdenscheider war dem 37-jährigen Konkurrenten offenbar ein Dorn im Auge. Wie es heißt, habe er daran gearbeitet, seinen Mitbewerber aus dem Geschäft zu drängen, um seine eigenen Automaten in der Bar zu platzieren. Der Branchenkollege berichtet, dass er „eigentlich gut“ mit Murat ausgekommen sei – bis zu dem Tag, an dem seine Automaten aus der Bar des Ehepaares abtransportiert werden sollten.

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Bei allen Zeugenaussagen und juristischen Erörterungen rund um die mutmaßlich kriminellen Machenschaften des 37-Jährigen und seiner Entourage gerät der vierte Angeklagte mehr und mehr aus dem Blickfeld. Ziya Y. (40) aus Köln, mutmaßlicher Rocker der „Hells Angels“, sitzt wie seine Mitangeklagten seit genau neun Monaten in U-Haft. Doch bislang hat ihn keiner der Zeugen einer konkreten Straftat bezichtigt, nur wenige kennen ihn überhaupt.

Der Prozess wird am Montag um 13 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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