Nur die Fluse im Bild fehlt

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Sascha Thamm (vorn) und David Grashoff kamen als „Lichtbildboys“.

Lüdenscheid - Poetry Slammer muss man mögen – oder auch nicht. Dazwischen gibt es nur wenig Raum für eine Grauzone. Wer zum ersten EM-freien Abend bei Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke in den Rosengarten gekommen war, mag sie.

„Schön, dass Ihr da seid, aber wir hätten das auch ohne Euch gemacht, weil wir selbst so viel Spaß daran haben.“ Poetry Slammer Sascha Thamm hatte schon zum Auftakt der Veranstaltung seine eigene Art, die Fans auf den Steinstufen zu begrüßen. Sie waren in angemessener Zahl gekommen und hatten den Rat des Veranstalters Lüdenscheider Stadtmarketing befolgt. Klappstühle, Campingsessel und die LSM-eigenen Sitzmatten sorgten im Schatten des Brauhauses und mit Blick auf die EM-Leinwand für Urlaubsfeeling. „Uns war wichtig, auch jenseits der Fußballübertragungen Programm für jedermann zu bieten“, so Marit Schulte (LSM). Und so startete das Team mit der Verpflichtung der beiden Slammer Sascha Thamm und David Grashoff einen Testballon.

Die beiden Wortakrobaten hatten ihren eigenen Testballon mitgebracht: „Das ist hier heute sowas wie ein Best-off. Das haben wir so noch nie gemacht.“ Die Idee, aus Dias fremder Menschen aus den 60er- und 70er-Jahren neue Lebensgeschichten zusammenzustellen, sei ihnen vor sechs Jahren gekommen. In einem Internetauktionshaus habe man tausende Lichtbilder gekauft, gesichtet und sortiert – „die werden hier heute Abend vermutlich zum ersten Mal in HD gezeigt. Normalerweise haben wir unseren uralten Diaprojektor dabei, bei dem wir immer Angst haben, dass die Birne durchbrennt.“

Wenngleich den beiden Slammern auch nach eigenem Bekunden das Knistern, der permanente Asbest-Geruch bei der Projektion und die Fluse im Bild ein wenig fehlten, so unterhielten sie mit ihren selbst erdachten Lebensläufen hervorragend die Gäste im Rosengarten. Bilder, die zumindest die älteren unter den Besuchern ohne Zweifel noch aus Fotoalben kennen dürften, flimmerten über die Leinwand. Naturaufnahmen, Menschen unterm Weihnachtsbaum, wildfremde Wanderer, Partybilder aus den 60-ern, „und immer wieder bergeweise Kippen und Tabasco auf dem Tisch – die müssen damals geraucht haben wie die Schlote“.

Was es nun war, was im Rosengarten stattfand, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Lichtbildervortrag oder Geschichtenabend, nostalgische Zeitreise oder einfach nur Comedy zum Lachen. Eins allerdings ist sicher: Mit der Verpflichtung der „Lichtbildboys“, wie sich Thamm und Grashoff im Duo nennen, hat das Lüdenscheider Stadtmarketing einen guten Griff getan und gezeigt, dass die Leinwand im Rosengarten auch für Alternativen gut ist. Zum Beispiel für diese: Nächsten Dienstag, 28. Juni, bietet die LSM Kino unter freiem Himmel an: ab 15 Uhr der Computer-Animationsfilm „Baymax“´, ab 17.30 Uhr „Die wilden Kerle“ und am Abend ab 20 Uhr „Bang Boom Bang“. Auch hier gilt: Klappstuhl mitbringen – oder eins der LSM-Sitzkissen ergattern. Versorgen können sich die Kinobesucher an einem Popcornstand.

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