Prozess gegen angebliche Schutzgeld-Mafia

Richterin zunehmend dünnhäutig: "Was ich frage, ist meine Sache!"

Lüdenscheid - Der Prozess gegen die angebliche Schutzgeld-Mafia droht mehr und mehr auszuufern. Die Vorsitzende der 4. großen Strafkammer, Richterin Heike Hartmann-Garschagen, reagiert zunehmend dünnhäutig auf unwillige Zeugen und die scheinbar destruktive Strategie der insgesamt neun Strafverteidiger. Abermals ist der Verhandlungstag anders gelaufen als geplant.

Das liegt zum einen daran, dass die Vernehmung eines Kripobeamten (37), der an der Vernehmung eines der Geschädigten teilgenommen hat, alles andere als störungsfrei über die Bühne geht. Der Dortmunder Verteidiger Dieter Kaufmann redet oft dazwischen und moniert ein ums andere Mal die Fragen der Vorsitzenden, bis sie die Stimme erhebt. „Was ich frage, ist meine Sache.“

Kaufmann unterstellt dem Polizisten, er sei schon länger hinter seinem Mandanten, dem Hauptangeklagten Murat S., her. „Haben Sie ihn mal festgenommen und zum Haftrichter gebracht?“ Der Zeuge: „Daran habe ich keine Erinnerung.“ – „Haben Sie ihm mal Ihre Visitenkarte gegeben und zur Zusammenarbeit mit der Polizei aufgefordert? – „Nein!“ Auch der 37-jährige Kaufmann selbst mischt sich wiederholt lautstark ein und wird von der Richterin ermahnt.

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Ärger gibt es auch mit einem weiteren Zeugen, ein 40-jähriger Koch. Er steht offenbar mit den Beschuldigten in Verbindung und soll vor Gericht über seine Geschäfte berichten. Doch er sagt: „Ich will nicht aussagen, ich muss zuerst mit meinem Anwalt sprechen.“ Auch der Hinweis der Vorsitzenden, dass er dazu seit der Ladung im Januar reichlich Gelegenheit gehabt habe, stimmt den Koch nicht um. „Es kann sein, dass ich bei der Polizei die Unwahrheit gesagt habe.“

In diesem Fall kann er nach Auffassung der Kammer höchstens einzelne Antworten verweigern, hat aber kein umfassendes Schweigerecht. Die Richterin droht ihm ein Ordnungsgeld von 600 Euro und zwölf Tage Beugehaft an. Die Anwälte protestieren. Ein anderer Zeuge habe im Prozess gelogen und geschwänzt, bleibe aber unbehelligt. Das verletze das Prinzip der Gleichbehandlung.

Die Kammer zieht sich zur Beratung zurück. Murat S. nimmt derweil in der Vorführzelle ein Getränk zu sich – kollabiert, erbricht sich und wird ins Krankenhaus gebracht. Eine allergische Reaktion auf das Trinkpäckchen, heißt es. Der Prozess wird unterbrochen. Die Beugehaft bleibt dem Zeugen erspart.

Die Verhandlung wird am Dienstag um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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