Dr. Blasweiler: Flexibilität bewährt sich

Rentenwelle läuft nicht aufs Rathaus zu

Lüdenscheid - Mit Fantasie und Flexibilität werde im Lüdenscheider Rathaus auf personelle Herausforderungen rechtzeitig reagiert. Das betonte Dr. Karl Heinz Blasweiler, als Kämmerer und Erster Beigeordneter auch für die Mitarbeiter zuständig. Von einer Rentenwelle, wie sie die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie für viele Rathäuser im Land ausgemacht habe, könne deshalb in der Kreisstadt zum Glück keine Rede sein.

Selbstverständlich würden auch in der Lüdenscheider Verwaltung in den nächsten Jahren eine Reihe von Kräften aus Altersgründen ausscheiden. Die Frage der Nachbesetzung müsse allerdings auch unter dem Blickwinkel des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) beantwortet werden. Denn das beschlossene Paket sieht vor, mehr als 60 Planstellen im Zeitraum von 2012 bis 2022 nicht wieder zu besetzen (Positionen mit sogenannten kw-Vermerke). Mit dem Personalrat bestehe Einvernehmen, den Abbau nur dann zu vollziehen, wenn parallel auch die Aufgabe wegfalle.

Doch in der Praxis mache sich ein Drehtüreffekt bemerkbar. Für einen wegfallenden Bereich komme an anderer Stelle ein neuer hinzu. So wurden seit der HSK-Verabschiedung zwar mehr als 20 Stellen abgebaut, gleichzeitig seien 20 wieder geschaffen worden. So sind fünf zusätzliche Kräfte in der Flüchtlingsbetreuung aktiv, um auf die neue Herausforderung angemessen reagieren zu können. Diese internen Verschiebungen führen zusätzlich zu einem spürbaren Nebeneffekt. „Über neues Personal für neue Anforderungen erfolgt zugleich ein Austausch der Altersstruktur“, so Dr. Blasweiler. Ebenfalls Handlungsbedarf hatte die Stadt bei der Feuerwehr. Eine EU-Richtlinie setzt die Wochenarbeitszeit im Rettungsdienst auf maximal 48 Stunden fest.

Keine Rentenwelle, sondern die reine Lehre der Marktwirtschaft führt die Kommunen bei der Besetzung von Ingenieursstellen in die Bedrouille. Das Konjunkturpaket III ermögliche einerseits städtische Investitionen, andererseits sauge der private Sektor wegen der Ankurbelung des Wohnungsneubaus die Fachkräfte auf. Dr. Blasweiler: „Die Auswirkungen spüren wir schon sehr deutlich, denn der Bewerberkreis ist doch sehr übersichtlich.“ Für die spärlichen Eingänge gebe es unterschiedliche Gründe. Eine wesentliche Rolle spielt natürlich das Geld. „Mitunter springen Kandidaten ab, wenn Unternehmen mehr bezahlen. Durch die tariflichen Vereinbarungen sind uns an der Stelle die Hände gebunden. Finanziell können wir einfach nicht mithalten. Dafür sind die Arbeitsplätze in der öffentlichen Verwaltung auch in Krisenzeiten sicher“, verweist der Kämmerer auf die zwei Seiten einer Medaille.

Ein weiteres Hemmnis sieht er in der aufwändigen Auftragsabwicklung. „Wir sind an ein komplexes Vergaberecht mit vielen Paragrafen gebunden. Wer sich dagegen mehr als Künstler sieht und kreative Freiräume fürs Schaffen braucht, wird die hier so nicht vorfinden.“ Dafür biete die Verwaltung Aufstiegschancen, indem sie Führungspositionen aus den eigenen Reihen besetze. „Über diesen Weg sind wir für Jüngere attraktiv.“

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