Reiseleiter aus Tel Aviv blickt auf deutsch-israelische Geschichte

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Hella Goldbach, Reuven Barak und Matthias Menke (von links) beim Vortrag.

Lüdenscheid - Anhand persönlicher Erlebnisse und Eindrücke ließ Reuven Barak aus Tel Aviv, der seit 25 Jahren als Reiseleiter in Israel arbeitet, im Gemeindehaus von Maria Königin 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland Revue passieren.

Auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lüdenscheid und des Katholischen Bildungswerks beleuchtete der im Kibbuz Ashdot Yaacov unweit des Sees Genezareth aufgewachsene Israeli die Chronik einer schwierigen Annäherung.

Bis zum ersten Zusammentreffen des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer mit dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion im März 1960 im Hotel Waldorf Astoria in New York verfolgte er die Geschichte der deutsch-israelischen Freundschaft zurück, die nach dem Holocaust undenkbar erschien.

Den weit gereisten Referenten und zahlreiche Zuhörer hießen Matthias Menke, pädagogischer Mitarbeiter des Katholischen Bildungswerks, und Hella Goldbach von der örtlichen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit willkommen. Von dem Angebot, Fragen an den Referenten zu stellen, machten die Besucher regen Gebrauch. In Israel sei über das 50-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Deutschland am 12. Mai 1965 viel berichtet worden, erklärte Barak. Von heftigem Widerstand gegen eine Annäherung auf israelischer Seite zum damaligen Zeitpunkt und Schwierigkeiten, die sich durch die deutschen Wiedergutmachungszahlungen in Kibbuzim mit gemeinsamem Eigentum auftaten, berichtete er aus eigenem Erleben. In den Kibbuzim seien Familien, die die Wiedergutmachung für sich behalten und die Kollektivsiedlung verlassen hätten, als Verräter bezeichnet worden. „Es war eine große Zerreißprobe.“

Gegen Rolf Friedemann Pauls, den ersten deutschen Botschafter in Israel, habe es Riesen-Proteste gegeben. Er selbst habe von den deutsch-israelischen Beziehungen durch den damals beginnenden Studentenaustausch profitiert und in Darmstadt Elektrotechnik studieren können.

„Es gibt bis heute Leute, die keinen Fuß auf deutschen Boden setzen“, merkte Reuven an. Auf der anderen Seite sei Deutschland heute Ziel Nummer eins für junge Israelis. „Vor 40 Jahren galten solche Leute (Rückkehrer) noch als Versager.“

Momentan gebe es in Israel eine große Diskussion in Bezug auf die deutsche Flüchtlingspolitik. Hinsichtlich der Integration muslimischer Flüchtlinge hegte Barak angesichts der Probleme im eigenen Land große Zweifel.

Fragen aus Reihen des Publikums zielten unter anderem auf das Verhältnis Israels zur DDR („War der Feind Israels“) und auf einen deutschen Beitrag zur Lösung des Palästinakonflikts. Im Chaos Nahost sei auch Deutschland machtlos, sagte der erfahrene Reiseleiter.

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