Zeugen wirken nicht glaubwürdig

Messerattacke: Probleme bei der Wahrheitsfindung

Lüdenscheid - Die Hintergründe der Messerattacke in einer Wohnung an der Goethestraße Anfang Juni aufzuklären, ist für das Schwurgericht eine zähe Angelegenheit.

Der 37-Jährige Angeklagte, ein heroinsüchtiger Arbeitsloser, hat das objektive Tatgeschehen zwar eingeräumt. Danach wurde er von dem Mieter der Wohnung offenbar durch Beleidigungen provoziert, schlug ihn zusammen und fügte ihm dann mit einem Messer eine Halsverletzung zu. Aber vor allem die widersprüchlichen Angaben des Opfers und die vorsichtige Zurückhaltung indirekter Zeugen aus der Szene erschweren die Wahrheitsfindung.

Unsteter Lebenswandel

Wie der Angeklagte, so hat auch der vor einem halben Jahr schwer verletzte Mann einen eher unsteten Lebenswandel. Genau wie ein weiterer Bekannter, der am Freitag in den Zeugenstand trat. Allesamt Junggesellen ohne Arbeit, alkoholkrank und im Methadon-Programm, um ihre Heroinsucht bändigen zu können.

Räuberpistole von zwei Unbekannten

Der Verletzte wollte seinen Kumpel nach der Tat augenscheinlich decken. Den Polizisten, die mit einem Tonbandgerät zur Vernehmung ins Klinikum gekommen waren, erzählte er eine Räuberpistole von zwei unbekannten Männern, die durchs Fenster gekommen seien, als er schlief. Erst auf hartnäckiges Nachfragen rückte er portionsweise mit der Wahrheit raus – und nannte den Namen des Gesuchten.

Auch der Freund, der den Angeklagten nach der Tat in seiner Wohnung beherbergt hat, läuft Gefahr, wegen Falschaussage belangt zu werden. Dass der Kumpel mit blutverschmierter Kleidung aus der Goethestraße zu ihm kam, will er gar nicht mitbekommen haben. Auch von dem Streit zwischen seinen Bekannten wisse er „eigentlich nix“. Er halte sich aus solchen Sachen immer heraus, sagt er.

Der Prozess wird am 22. Dezember um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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