Preacher-Slam: „Nur zusammen können wir fliegen“

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Ein Herz für die Liebe fordert die Siegerin des Preacher-Slam im Kulturhaus, Fatima Talalini, denn daraus erwüchsen neue Utopien.

Lüdenscheid - Der Weg zum Preacher-Slam-Finale im Dom zu Essen führt über den „Roten Saal“ des Kulturhauses. Drei der sechs Teilnehmer überstanden die Hürde des Vorentscheids: Die Dortmunderin Fatima Talalini gewann mit einem Punkt Abstand vor der Jüngsten in der Runde, der vierzehnjährigen Eva Gennat aus Iserlohn. Beide dürfen beim Finale antreten. Geschafft hat es auch die Bochumerin Luise Frentzen, der aufgrund schwieriger Thematik in ihren Texten eine Wildcard angeboten wurde.

Zwei Texte durfte jeder der Teilnehmer vortragen, einer davon sollte sich im ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit dem Thema „Wie barmherzig bist du?“ widmen. Humor, Tiefgang, deftige Worte, ethisches Schürfen und bekennende Worte wechselten einander ab. Ansonsten lief alles wie bei ganz normalen Slams. Eine aus dem Publikum rekrutierte siebenköpfige Jury vergab die Punkte, Marian Heuser zeichnete sich als Moderator und Kopfrechner aus.

Weißes Blatt: Der Lüdenscheider Philipp Fischer machte aus einer Schreibblockade Humor. Fotos (3): Schwager

Erstmals bei einem Slam dabei: Der Lüdenscheider Philipp Fischer, Freund endreimgestützer Worte, der Hektik und Stress im Streit mit Ruhe und Stille wähnt, fehlende Geduld als Ursache menschlicher Malaisen sieht. Nach Fehlern ist da für eine zweite Chance keine Zeit. Geduld mit sich selbst, so argumentiert er, sei auch schon ein Zeichen von Barmherzigkeit. Eva Gennat, „ist das Schicksal wirklich ein mieser Verräter“, schraubte sich Klassement mit ihrem szenisch geordneten appellativen Text „So viele Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt“ bis zum zweiten Platz empor. Sim Panse, „herzlich willkommen an der Grenze des Verstandes“, prangerte in seinem ersten Text vor allem die Planlosigkeit der Politik und Widersprüche des Handelns an, machte sich später auf, gebetsmühlenartig wider alte Rollenbilder loszuziehen. Seine schablonierte Story kostete ihn Führung und Finale.

Vermisst Menschlichkeit in dieser Welt: Die vierzehnjährige Eva Gennat aus Iserlohn fordert auf, „bei sich selbst“ anzufangen.

Großen Mut legte die Lüdenscheiderin Pia Tews mit ihren bekennenden Texten. In „Zuhause oder eine Ode an die Liebe“ wurde dies allen klar. Siegerin Fatima Talalini, glaubt nicht an Vergeltung, denn „der Mensch lernt aus Liebe“, warb dafür, alte Muster wegzupacken. „Nur zusammen können wir fliegen.“ Luise Frentzel, „das Herz ist mit dem Urvertrauen durchgebrannt“, beschäftigte sich auf subtile Weise mit Folgen sexuellen Missbrauchs, traf Thema und Nerv. Deshalb gab es die Wildcard fürs Finale. Die gab es, weil Regina Laudage-Kleeberg, Abteilungsleiterin „Kinder, Jugend und Junge Erwachene“ im Bistum, spontan reagierte, weil Frentzel „ein Thema, das uns alle sehr beschäftigt“ eindrucksvoll bearbeitet habe. - usc

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