Unüberbrückbare Differenzen

Sportklinik: Präsidium kritisiert „Eigenleben“ des Vorstands

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Tatjana Rothenberg, Leiterin der Personalabteilung der Sportklinik, und Präsidiumssprecher Thomas Lang informierten über die Situation in Hellersen.

Lüdenscheid - Abberufung von Wiebke Schandelle als Vorstand der Sportklinik wegen unüberbrückbarer Differenzen, Trennung vom medizinischen Berater Prof. Thomas Kersting, massive Differenzen mit dem Landessportbund und mittelfristig ein Verkauf des Krankenhauses – das ehrenamtliche Präsidium der Sporthilfe kämpft an vielen Fronten. Die Sporthilfe ist seit mehr als 50 Jahren Trägerin des Krankenhauses.

Thomas Lang, Vizepräsident und Sprecher des Präsidiums, nahm am Dienstag ausführlich Stellung zu den aktuellen Vorgängen rund um die Sportklinik. 
Zu den Personalien: Wiebke Schandelle trat im März die Nachfolge von Michael Koke als Vorstand der Sportklinik an. Koke habe „nachweislich mit falschen Zahlen“ operiert, so Lang. „Er hat seine eigenen Möglichkeiten völlig überschätzt. Uns wurden lange Zeit geschönte Zahlen präsentiert.“ 

Das Ergebnis aus 2015 habe bei einem Kassensturz eine „extreme Schieflage“ ausgewiesen. Die Angaben über Liquidität und Auslastung entsprachen nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Am 5. März wurde Koke abberufen, seine „Kündigung inzwischen geräuschlos abgewickelt.“ Der Fehlbetrag aus dem vergangenen Jahr beläuft sich auf 2,1 bis 2,4 Millionen Euro.

Wiebke Schandelle, seinerzeit Geschäftsführerin der Sporthilfe, übernahm der Vorstandsposten. Die Konstellation des Vereins Sporthilfe in NRW ist einmalig: Dieser sorgt zum einen für den Versicherungsschutz von 4,7 Millionen Sportlern mit einem jährlichen Reingewinn von 400.000 bis 500.000 Euro. Versicherungsgeschäft und Immobilien in Lüdenscheid (Mietwohnungen) führen dazu, "dass es uns finanziell gut geht“, so Lang. Zum anderen sei der Verein laut Satzung verpflichtet, eine Sportklinik zu unterhalten und anfallende Defizite auszugleichen. „Wir haben Rücklagen geschaffen, so dass wir noch drei bis vier Jahre aus unserem Portefeuille zuschießen können. Bei günstiger Lage natürlich auch länger.“ In den Jahren 2013/14 reichte es zuletzt zu „schwarzen Nullen“.

"Wir mussten schnell handeln" 

Frau Schandelle habe von Beginn an als „Interimslösung“ gegolten, so Lang. „Erfahrung mit der Führung eines Krankenhauses brachte sie nicht mit, aber wir mussten schnell handeln.“ Recht bald seien erhebliche Probleme aufgetreten. Die Differenzen zwischen ihr und Prof. Kersting hätten zum Rückzug des Beraters geführt. Die Kündigung der Leiterin der Personalabteilung, Tatjana Rothenberg, machte das Präsidium rückgängig. 

Eine „schwarze Liste“ mit weiteren 17 Namen sei trotz der Anweisung, alle Personalentscheidungen mit dem Präsidium abzustimmen, eigenmächtig erstellt worden. Lang: „Der Vorstand entwickelte ein unkontrolliertes Eigenleben.“ Zeitgleich mit der Abberufung von diesem Posten erfolgte ihre Suspendierung als Geschäftsführerin der Sporthilfe. „Die Dinge sind nicht synchron gelaufen.“ Dagegen stand der Betriebsrat einhellig hinter Wiebke Schandelle.

Wie es insgesamt weitergeht, entscheidet eine Mitgliederversammlung der Sporthilfe am 29. Juni in Lüdenscheid. 

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