Neues Konzept für Obdachlose

Martina von Schaewen, Fachdienstleiterin für öffentliche Sicherheit und Ordnung, Fachbereichsleiter Thomas Ruschin und Axel Schwabecher in der Küche der Obdachlosenunterkunft. -  Foto: Messy

Lüdenscheid - Mit einem neuen Aufenthaltskonzept hat die Stadt auf den Tod eines Obachlosen vor gut einem Jahr in der Einrichtung an der Leifringhauser Straße reagiert. Bei einem Brand war im August 2015 ein Bewohner erstickt. „Dieses tragische Ereignis haben wir zum Anlass genommen, den Ablauf neu zu organisieren und für mehr Sicherheit zu sorgen“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Thomas Ruschin. „Es geht uns dabei nicht darum, die Obdachlosen zu vergraulen, sondern für mehr Brandsicherheit zu sorgen.“

Dafür wurden die jetzt reinen Schlafräume flächendeckend mit Rauchmeldern ausgestattet. Gekocht werden darf in den Zimmern nicht mehr, sondern nur noch in einer separaten Küche. Außerdem darf sich ein Teil der Bewohner nicht mehr den gesamten Tag in der Einrichtung, die vor 15 Jahren gebaut worden war, aufhalten. Die über 50-Jährigen sind in altersgleichen Wohngruppen untergebracht. Unter 50-Jährige müssen die Obdachlosenunterkunft zwischen 9 und 15 Uhr verlassen. Hintergrund ist, in dieser Zeit Angebote der Caritas oder des Pertheswerkes wahrzunehmen und möglichst wieder ein geregeltes Leben aufnehmen zu können. „Wir wollen damit vermeiden, dass sich die obdachlosen Menschen in der Obdachlosenunterkunft eingewöhnen.“

Axel Schwabecher, Sachbearbeiter für Obdachlosenangelegenheiten, sagt, dass seit der neuen Regelung, die am 1. Juli in Kraft getreten ist, die Personenzahl gesunken sei. Waren es vorher im Schnitt 45, sind es zur Zeit 35 Personen. Maximal 80 Menschen könnten an der Leifringhauser Straße untergebracht werden, in Zimmern unterschiedlicher Größe. „Wir können so auch ganze Familien mit Kindern, eine Unterkunft bieten, wenn dies notwendig ist. Für Frauen gibt es einen geschützen separaten Bereich.“

Schwabecher hatte sich im Vorfeld Erfahrungen und Konzepte anderer Städte schildern lassen. „Sie gehen zum Teil rigoroser vor und fordern alle auf, die Unterkunft tagsüber zu verlassen. Das gibt es bei uns nicht: Wer dazu körperlich nicht in der Lage ist, der kann auch bleiben.“

Thomas Ruschin betont, dass durch das neue Aufenthaltskonzept ein flexibleres Handeln möglich sei und Kapazitäten gewonnen worden seien. „Dennoch ist das Konzept nicht dogmatisch gemeint. Wenn wir sehen, dass es zum Beispiel in einem harten Winter mehr Bedarf gibt, können wir nachsteuern.“

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