Erweiterung der Erinnerungsstätte besiegelt / Spendenaufruf

Neue Gedenkzelle fest im Blick

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Rolf Breucker (links) und Matthias Wagner in dem Raum, der zur dritten Gedenkzelle hergerichtet werden soll.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Gedenkzellen sollen wachsen. Das haben Rolf Breucker und Matthias Wagner vom Gedenkzellen-Verein im LN-Gespräch mitgeteilt. Konkret geht es um die Herrichtung einer dritten Zelle zum Ausstellungsraum.

Der Zeitplan steht bereits – ab April 2017 soll besagte Zelle für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Pünktlich zum fünften Geburtstag der im Alten Rathaus untergebrachten Gedenkstätte. Für die Erweiterung der Gedenkzellen ist der Verein indes auf die Spendenbereitschaft der Bevölkerung angewiesen. Doch der Reihe nach.

Die Gedenkzellen wurden im Jahr 2012 in ehemaligen Arrestzellen im Alten Rathaus eröffnet. Nach langem politischen Tauziehen – viele Konservative konnten sich mit der Schaffung einer solchen Gedenkstätte nicht anfreunden.

Die Gedenkzellen erinnern an Lüdenscheider Opfer des Nazi-Terrors. Seit der Eröffnung besuchen im Schnitt jährlich rund 500 Menschen die Ausstellung, weiß Matthias Wagner. In der ersten Zelle thematisieren Texte und Schautafeln das Schicksal jüdischer Bürger während des NS-Regimes. In der zweiten Zelle geht es um andere Opfergruppen, um Zivilcourage und um Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Beide Präsentationen sind Dauer-Ausstellungen.

Dagegen soll die angepeilte dritte Zelle – sie liegt wenige Meter von den beiden anderen entfernt und diente zuletzt als Lagerraum – künftig Wechselausstellungen vorbehalten bleiben. Die Stadt als Besitzerin der Immobilie hat der Umnutzung laut Breucker und Wagner zugestimmt, stellt aber keine Gelder für die Umwandlung zur Verfügung. Die erste Wechselausstellung in der dritten Zelle soll voraussichtlich zum fünfjährigen Bestehen der Gedenkzellen im April nächsten Jahres zu sehen sein und den Titel „Führer und Verführte“ tragen.

Ihr folgt laut Planung eine Präsentation namens „Flucht-Geschichten“. Sie wird die Flucht von Menschen während der Nazi-Herrschaft, aber ebenso auch die Flüchtlingssituation der Gegenwart beleuchten. Beide Ausstellungen sind momentan in Arbeit.

Vor der Inbetriebnahme der dritten Zelle stehen allerdings Umbauarbeiten an. Eine Wand muss versetzt, Wände verputzt und Elektro-Installationen erledigt werden. Gesamtkosten dafür: circa 7000 Euro. Da die Stadt die Kosten nicht übernimmt und der Gedenkzellen-Verein so viel Geld nicht hat, setzen Breucker und Wagner auf Spenden. Zur Erinnerung: Bürger, Gewerkschaften, Firmen und Organisationen hatten bereits für die Realisierung der Gedenkstätte gespendet. Auf derlei Großzügigkeit hofft der Gedenkzellen-Verein jetzt wieder.

Wer sich finanziell engagieren will, kann das unter der Iban-Nummer DE28 4585 0005 0000 3627 56 bei der Sparkasse Lüdenscheid tun, Stichwort Gedenkzellen. Der Verein ist gemeinnützig, die Spenden sind daher steuerlich absetzbar.

Mehrere Mitglieder des Gedenkzellen-Vereins beteiligen sich übrigens selbst aktiv an der Herrichtung der neuen Zelle – sie streichen die Wände. Die Baumaßnahmen sollen voraussichtlich Anfang nächsten Jahres – so die Erwartung von Breucker und Wagner – weitgehend abgeschlossen sein.

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