Netto-Schließung trifft besonders alte Kunden

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Johanna Jänke (89) weiß nicht, wie es nach der Schließung ihrer Netto-Filiale in der Oberstadt weitergehen soll.

Lüdenscheid - Frau Jänke möchte nicht stören. Sie ist in die Redaktion gekommen, weil’s sein muss. „Wenn ich etwas ändern will, muss ich dahin gehen“, hat sie sich gesagt. Bei den Leuten herrsche nur Ohnmacht. 89 ist die alte Dame, hatte vor drei Jahren eine Herz-OP und sagt: „Laufen kann ich, aber nicht schwer tragen.“ Und jetzt das: Ihr Netto-Markt in der Oberstadt schließt Ende Juli.

„Ein Einkaufserlebnis in angenehmer Atmosphäre“ sei hier nicht mehr gegeben, sagt ein Sprecher des Discounters. Und ja, auch wirtschaftliche Gründe spielten eine Rolle: Lage, Erreichbarkeit, Größe und Gestaltung entsprächen nicht mehr dem Netto-Konzept. Und tröstet: Man wolle trotzdem „überall eine optimale Nahversorgung gewährleisten“, das Filialnetz ausbauen.

Johanna Jänke hilft das nicht. Sie hat den Krieg überlebt, immer hart gearbeitet, hat ihrem Chef durch energische Buchhaltung so manche Mark eingebracht. Nein, bange ist sie nicht. Aber jetzt hat sie Angst. Wie soll das gehen, fragt sie. Zweimal Milch, ein paar Kleinigkeiten, Kartoffeln – mehr kann sie nicht nach Hause schleppen, bergan über die Loher Straße. Wenn sie unten in der Stadt einkaufen muss, ist der Rückweg endlos lang. „Aber man will ja auch sehen, was man kauft“, sagt sie. Sich vom hilfsbereiten Nachbarn alles mitbringen zu lassen, sei keine Lösung. Und nicht jeder habe hilfsbereite Nachbarn.

Mit Sorge sieht auch der Altstadtverein die Entwicklung. „Die Oberstadt braucht unbedingt einen Nahversorger“, findet Schatzmeisterin Birgit Mosbleck. Bei der Jahreshauptversammlung hätten die Altstädter über mögliche Nachmieter gesprochen. „In Hagen gibt es zum Beispiel den Rewe to go – ein Tante- Emma-Laden der modernen Art. Vielleicht wäre das etwas für Lüdenscheid“, hofft sie. Auch die „Vision 2020“-Bewegung, die sich eine Belebung der Innen- und gerade auch Oberstadt auf die Fahnen geschrieben hat, will aktiv werden. Doch ob überhaupt und wie s8chnell man Anbieter finden kann, die die Lücke füllen würden – dazu wagt auch Sprecher Willi Denecke keine Prognose. - sum

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