Nach Seehundrettung droht Janine Bahr hohes Bußgeld

LÜDENSCHEID - „Ich weiß, dass ich richtig gehandelt habe.“ Deshalb geht die Lüdenscheider Tierärztin Janine Bahr (42) am Montag erhobenen Hauptes vor das Amtsgericht in Husum. Weil sie zwei mutterlose Seehundbabies, Heuler genannt, geborgen hatte, drohen ihr jetzt wegen Verstoßes gegen jagdgesetzliche Regelungen zwei Bußgelder in einer Gesamthöhe von mehr als 3600 Euro.

Hinter diesen Einzelfällen steht ein Konflikt grundsätzlicher Art. Denn Janine Bahr, die 1998 in Wyk auf Föhr den Verein „Tierhuus“ samt Wild- und Fundtiernotaufnahme gegründet hatte und im letzten Juni dort ein Robbenzentrum eröffnete, stellt mit ihrem Handeln und in Veröffentlichungen die geltende Regelung zum Umgang mit Heulern in Schleswig-Holstein seit Jahren in Frage.

Bisher gilt dort die „Richtlinie zur Behandlung von erkrankt, geschwächt oder verlassen aufgefundenen Robben“. Sie überträgt die Entscheidung, ob mutterlos aufgefundene Jungtiere geborgen werden können oder von ihrem Leiden erlöst werden müssen, so genannten „Seehundjägern“. Die wiederum betreiben über den Landesjagdverband gemeinsam mit der Gemeinde Friedrichskoog die laut internationalem Seehund-Abkommen einzig autorisierte Aufnahmestelle für verlassen oder erkrankt gefundene Robben in Schleswig-Holstein. Laut deren Homepage sind die Seehundjäger gut aus- und fortgebildet und können die Überlebensfähigkeit von Heulern noch am Fundort beurteilen.

Genau das bestreitet Janine Bahr. Sie dokumentiert auf ihrer Internetseite http://www.tierhuus.org, wie ein Seehundjäger einen verletzten Heuler ins Meer zurücksetzen will, was laut Bahr den sicheren Tod des Tieres bedeutet hätte. Auch der von ihr geborgene Heuler wäre ansonsten schlicht verhungert. Dass sie dafür jetzt der Wilderei angeklagt wird, sei unglaublich.

Die Jäger seien keine Veterinärmediziner, laut einem Ex-Seehundjäger seien auch ihre Fortbildungen untauglich. So sollen die Jäger stundenlang warten, ob die Seehundmutter wiederkommt – laut Bahr schiere Tierquälerei: Die Mütter kämen niemals wieder, dafür trockneten die Jungtiere in der Wartezeit aus und würden so erst recht zu Abschusskandidaten. Vertreten wird Janine Bahr am Montag vom Göttinger Tierschutz-Anwalt Dr. Konstantin Leondarakis.

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