Nach Delikten an Lennestraße: Strafprozess gegen Drücker-Kolonne

Lüdenscheid - „Die Sicherheit unserer Kunden liegt uns am Herzen.“ Oder: „Wir arbeiten mit den modernsten Verkaufstechnologien für den Direktvertrieb.“ So wirbt eine Duisburger Marketing-Firma im Internet um Vertrauen – und schickt unterbezahlte Drückerkolonnen los. Zum Beispiel zu Unitymedia-Kunden an der Lennestraße.

Hier wurden Mieter im August ‘15 zu Opfern von Betrug, Hausfriedensbruch, Urkundenfälschung und Sachbeschädigung. Das erste Verfahren – nur zwei der drei Angeklagten waren erschienen – endete allerdings mit einem Freispruch und einer moderaten Geldstrafe.

Staatsanwältin Ina Pavel wirft dem Trio vor, mit Tricks und falschen Angaben die Unterschrift zweier Mieter unter lukrative Neuverträge ergaunert zu haben. Außerdem sollen zwei der Männer widerrechtlich in die Wohnung einer jungen Frau eingedrungen sein und ihre Unterschrift gefälscht haben. Und schließlich legt Ina Pavel mindestens einem der Angeklagten zur Last, den Endverzweiger der Telekom im Keller des Mietshauses zerstört und damit TV, Internet und Telefon lahmgelegt zu haben.

Die beiden Angeklagten aus Moers und Duisburg sind nicht mehr in der Branche tätig. Sie sprechen mit Richter Thomas Kabus über den Job. Der 22-Jährige sagt: „Jeder bereut es, da gearbeitet zu haben. Das ist ein Teufelskreis.“ Sein Ex-Kollege, jetzt in einem Call-Center beschäftigt, bestätigt: „Das Haustürgeschäft ist nicht einfach. In einer Drückerkolonne zu arbeiten, das ist der letzte Dreck, das macht die Leute krank.“

Aber nicht sie, sondern der Dritte im Bunde sei der Schuldige, da sind sich die beiden Angeklagten einig. Der Jüngere sagt: „Ich war überhaupt nicht in dem Haus, sondern in Wohnungen auf der anderen Straßenseite.“ Und der 30-Jährige will hinter dem vermeintlich Hauptschuldigen in die Wohnung der jungen Mieterin gegangen sein. „Ich habe gesehen, wie er mit ihrem Namen unterschreibt.“ Und er habe beobachtet, wie der 26-Jährige in den Keller gegangen ist.

Behauptungen, die sich derzeit nicht widerlegen lassen. Zumal die Ergiebigkeit zweier Zeugenaussagen aus dem Mietshaus „zu wünschen übrig lässt“, wie der Richter sagt. Erkannt hat nämlich nur die 30-Jährige die beiden Drücker. Zumindest des Hausfriedensbruchs hat sich der 30-Jährige also schuldig gemacht. Kabus: „Wenn die Frau ‘Raus!’ sagt und man trotzdem reingeht, ist der Tatbestand erfüllt.“ Dafür muss der Angeklagte eine Geldstrafe von 1050 Euro bezahlen. Sein Kumpel „von der anderen Straßenseite“ bekommt seinen Freispruch.

Das Verfahren gegen den dritten Drücker steht noch bevor. Er soll polizeilich vorgeführt werden. Richter Kabus: „An dem wird’s dann wohl hängenbleiben.“

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