Mordanklage gegen "Redo": Doppelt so viel Kraft wie ein Boxer

Lüdenscheid/Bochum - Die Leiche des Opfers ist gefunden. Die mutmaßlichen Mordwerkzeuge lagern in einem profanen Pappkarton. Doch bevor sie der Vorsitzende des Schwurgerichts, Josef Große Feldhaus, in Augenschein nimmt, fesseln Justizwachtmeister den beiden Angeklagten auf richterliche Anordnung die Hände hinterm Rücken – „aus Sicherheitsgründen“, wie Große Feldhaus sagt.

Zum Vorschein kommen ein massives Handbeil sowie ein Zimmermannshammer mit Holzstiel. Rechtsmedizinerin Janine Helmus (31), Gutachterin der Uniklinik Essen, sagt: „Beide Werkzeuge können die Verletzung verursacht haben.“

Ein Waldstück in der Nähe von Vlotho: Janine Helmus birgt die lange gesuchte Leiche eines Mannes, „eine Art Mumie“, wie sie sagt – in Fetzen von Frottierhandtüchern, einer Wolldecke, Jeansresten und Klebeband eingewickelt, am linken Handgelenk ein eng gezurrter Kabelbinder. „Die Füße waren nicht mehr vorhanden, man darf wohl von Tierfraß ausgehen.“

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Dass der Mann totgeschlagen wurde, daran gibt es nach der Obduktion keinen Zweifel. Im Schädelknochen des Oberkopfes finden die Rechtsmediziner ein drei mal dreieinhalb Zentimeter großes Loch, eine „Impressionsfraktur“, wie Helmus sagt. Einblutungen am Rücken und an einem Oberarm des stark verwesten Körpers lassen sich noch feststellen, mehr nicht. Ob der Hauptangeklagte „Redo“ in dem Lieferwagen wirklich 17mal zugeschlagen hat, wie ein Zeuge aussagte, ist nicht zu belegen.

Wohl aber, dass es „eine sehr starke Gewalteinwirkung mit einem metallischen Gegenstand“ gegeben hat. Das Scheitelbein eines Menschen hält „bis zu 14 Kilo-Newton“ aus, sagt Janine Helmus. „Man braucht also doppelt so viel Kraft wie ein Profiboxer, der jemandem den Unterkiefer bricht.“

Trotzdem bleibt die Szenerie auf der Ladefläche des gemieteten Lieferwagens weitgehend im Dunkeln. Wann der tödliche Schlag erfolgte, ob das Opfer dabei auf dem Bauch oder auf dem Rücken lag, ob und von wem es festgehalten wurde, wie schnell es das Bewusstsein verlor – das sind Variablen, die auch die Rechtsmediziner nicht näher definieren können.

Der Prozess wird am 30. September um 9 Uhr fortgesetzt.

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