Aufgefrischter Hypochonder

+
Stilianos Tononidis warb mit einem Monolog um die Hand der schönen Tochter.

Lüdenscheid - Als junger Mensch mag man manchmal meinen, die großen Dichter unserer Zeit hätten ihre Stücke nur geschrieben, um im 21. Jahrhundert Schüler damit zu quälen. Erfrischend anders ist da Molières „Der eingebildete Kranke”, ein Klassiker der Weltliteratur, nachvollziehbare Charaktere, eine übersichtliche Personenzahl und nebenbei eine echt unterhaltsame Komödie.

Der Literaturkursus Q1 des Zeppelin- und Geschwister-Scholl-Gymnasiums nahm sich der Komödie an und transportierte sie auf seine Weise auf die Bühne. Gestern Vormittag fand in der voll besetzten Scholl-Aula die zweite und letzte Aufführung statt. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Schüler vor Eltern, Freunden und Bekannten an gleicher Stelle gespielt. Diesmal zeigten sie den angehenden Elftklässlern, was sie im kommenden Schuljahr bei der Wahl des Faches Literatur erwartet.

Frankreich im 17. Jahrhundert zum Beispiel. Die Liebe zwischen einem armen Bauernjungen und einer Tochter aus gutbürgerlichem Hause wird vom Vater des Mädchens torpediert. Der Hypochonder verbringt den Tag griesgrämig im Krankenstuhl, gebärdet sich ungerecht, selbstsüchtig, aggressiv gegen das Personal und die eigene Familie, will er doch die Tochter eigennützig mit einem Arzt verheiraten.

Die Rolle des Protagonisten teilten sich in der Inszenierung in der Scholl-Aula Jan Jöres und Liam Hirschler, die den egozentrischen Hypochonder jeder auf seine Weise verkörperten, hustend, spuckend und mit mehr oder weniger gekonnten Würfen mit Pantoffeln und Tablettenschachteln. Die Charaktere des Molière-Originals arbeiteten die Schüler gut heraus, allen voran die beiden potenziellen Bewerber um die Hand der Angelika (Luise Röther), Cléante (Stilianos Tononidis) und Christopher Müller als Thomas, der Mensch ohne eigene Meinung, der gekonnt und gewollt seinen Text einer Maschine gleich herunterrasselte.

Pep kam ins Spiel, wenn die Schüler den ausgetretenen Molière-Pfad verließen und ihre eigenen Wege gingen. Regisseur Florian Langer, an dem definitiv ein Schauspieler verloren geht, mischte sich hier und da ins Geschehen ein, gab Regieanweisungen, stoppte die Inszenierung und spielte lebhaft vor, wie er sich die Szene vorstellt. Dem gesamten Ensemble unter der Leitung von Katrin Achenbach und Daria Dusil waren Spielfreude und Engagement anzumerken. Der frenetische Beifall der Schulkameraden nach knapp 90 Minuten Inszenierung war mehr als verdient.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare