„Anton“ und Ehefrau gehen Sonntag in den Ruhestand

Auf ein letztes Essen bei Ante und Mara Renic

Monika und Hagen Naumann sind seit Jahrzehnten Stammgäste im Hubertus – und feierten dort auch ihren 37. Hochzeitstag. Das Hacksteak – zubereitet von Mara Renic (vorne links) – „schmeckt einfach immer“, finden sie. Ante „Anton“ Renic (vorne rechts) freut’s.

Lüdenscheid - Der Kroate Ante „Anton“ Renic steht im weißen Hemd hinterm Tresen der Gaststätte Hubertus an der Heedfelder Straße. Doch diese Ära geht zu Ende, denn am Sonntag öffnet der 68-jährige Wirt sein Restaurant mit der internationalen Küche zum letzten Mal.

Es ist eine belebte Kreuzung, ohne Pause rauschen Autos, Busse und Lieferwagen vorbei. Der Verkehr ist laut – hektisch. Doch Stammgäste wissen, hinter der Tür zum Hubertus an der Heedfelder Straße liegt eine ganz andere Welt – gemütlich und gastfreundlich.

„Was glauben Sie, wie traurig wir sind?“, fragt Hagen Naumann. Seine Frau Monika sagt: „Wir sind hier wirklich noch nie enttäuscht worden. Es ist gemütlich und heimelig. Das Essen ist köstlich. Und Toni ist so ein liebenswürdiger Mensch. Man fühlt sich einfach nur wohl.“ Die beiden sind gekommen, um ihren 37. Hochzeitstag zu feiern – und um ein letztes Essen bei ihrem Toni zu genießen. So nennen sie Ante Renic seit Beginn der Zeitrechnung im Hubertus.

Die Karte kennen die beiden in- und auswendig, aber meistens können sie nicht anders, als ihre Lieblingsgerichte zu bestellen. Hacksteak mit Schafskäse für sie, den Grillteller für ihn – „mit Schnitzel anstatt Kotelett“, wie Renic weiß.

In der Küche klappern Töpfe und Pfannen, Mara Renic’ Stimme dringt leise durch die Durchreiche in den Gastraum. Ante Renic’ Ehefrau ist Köchin im Hubertus und bereitet das Essen vor, das nicht lange auf sich warten lassen soll.

Das Telefon klingelt, Ante Renic hebt ab „Restaurant Hubertus, hallo“. Ein kurzes Gespräch. „Neun Personen, am Sonntag. Gut, machen wir.“

Doch dieser Sonntag wird kein gewöhnlicher sein, sondern der letzte mit Ante und Mara Renic als Gastgeber im Hubertus. „Es ist an der Zeit, aus gesundheitlichen Gründen“, sagt der Wirt. „Mein Kardiologe hat mir empfohlen, ein bisschen Ruhe zu finden.“ Mehr als 35 Jahre Arbeit liegen hinter dem Ehepaar. Im Jahr 1984 übernahmen sie die Gaststätte von ihrem Vorgänger und bauten sie ein wenig um. „Ich war damals der Erste in Lüdenscheid, der die Ziegelsteinwände und -Bögen hatte“, ist Ante Renic fest überzeugt. „Manche haben das nachgebaut.“ „Die Schützen vom Loh“ trafen sich regelmäßig in seinem Restaurant, sagt er. Genau wie viele andere Vereine. Firmenvertreter kamen zum Geschäftsessen und Familien und Freundeskreise richteten Geburtstage, Kommunions- und Konfirmationsfeiern bei Steak- und Grillspezialitäten im Hubertus aus, erinnert sich der Wirt.

Weitergeführt werden soll das Restaurant auf jeden Fall, versichert Renic. Die Nachfolger müssen bei den Hausbesitzern den Vertrag unterschreiben, viel mehr möchte er noch nicht preisgeben. Nur: „Es soll wohl etwas umgebaut werden.“

Die Naumanns fürchten das schon ein wenig. „Wenn etwas Altes geht, bleibt Wehmut. Es wird uns schon sehr fehlen“, sagt Monika Naumann. Doch die vielen kleinen Anekdoten aus dem Hubertus werden immer in Erinnerung bleiben, sind sich die beiden Stammgäste sicher. „Ich habe mein Arbeitsjubiläum hier gefeiert und viele Geburtstage. Sogar den 96. meiner Mutter, die ganze Familie ist immer gerne hierher gekommen. Und als meine Mutter im Altenheim war, hat Toni einen Teller zum Mitnehmen fertig gemacht“, berichtet Hagen Naumann.

Ante Renic, wie er auf dem Wochemarkt frisches Gemüse kauft, Ante Renic auf einen kurzen Kaffee in der Stadt – auch das sind Bilder, die in den Köpfen der Naumanns verankert sind. „Wenn man sich getroffen hat, war es immer freundschaftlich“, sagt Monika Naumann.

Den Kaffee in der Stadt wird das Renic-Ehepaar wohl auch zukünftig trinken – aber „zuerst fahren wir in den Urlaub nach Kroatien, nach Split und Trogir zur Familie. Direkt ans Wasser. Und was danach kommt, werden wir sehen. Das Geschäft vermissen wir auf jeden Fall jetzt schon, bevor wir überhaupt raus sind. Und auf jeden Fall danken wir unseren Gästen für ihre langjährige Treue. “

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