Landgericht: Lüdenscheid wäre „mein Untergang“

Lüdenscheid - Der Prozess gegen die drei Männer, die einen 24-Jährigen entführt, erpresst und beraubt haben sollen, neigt sich dem Ende zu. Voraussichtlich am Mittwoch wird die 1. große Jugendstrafkammer ein Urteil fällen.

Eine vergleichsweise wichtige Zeugin, die Freundin des Hauptangeklagten, bleibt jedoch unauffindbar. Sie hätte der Justiz weitere Erkenntnisse über den Drogenkonsum der Angeklagten zur Tatzeit liefern können – und damit zu deren Schuldfähigkeit. Jetzt müssen sich die Richter auf Gutachten und die Angaben der Beschuldigten verlassen.

Zum Procedere gehört bei jedem Strafprozess ein Blick ins Vorstrafenregister. Der Fahrer des Wagens, in dem das Trio sein Opfer entführt, misshandelt und ausgeraubt hat und der mindestens wegen Beihilfe verurteilt werden dürfte, hat noch nichts auf dem Kerbholz. Das Brüderpaar umso mehr. Der ältere der beiden wurde bereits neunmal verurteilt, unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung und versuchten schweren Diebstahls.

Einbrüche verübt und Brände gelegt

Er ist die eine Hälfte des Duos, das im Februar 2011 in Mietshäusern zunächst an der Römergasse, dann an der Corneliusstraße innerhalb von wenigen Stunden zwei Einbrüche verübt und in den Kellern Brände gelegt hat. Mehrere Menschen erlitten in dieser Nacht Rauchvergiftungen. Allein im Keller an der Römergasse entstand Sachschaden in Höhe von knapp 30 000 Euro.

Dass er nach seiner dreieinhalbjährigen Haft auf ganzer Linie scheitert und schnell wieder straffällig wird, liegt unter anderem an seinem Drogenkonsum. Nach seiner nächsten Entlassung, sagt er zu Richter Marcus Teich, möchte er eine Wohnung und eine Arbeit. Er brauche Hilfe und wisse nicht, ober es allein schafft. „Aber ich darf auf keinen Fall nach Lüdenscheid zurück, in meine alten Kreise, das wäre mein Untergang!“

Kleiner Bruder hat Schwächen im Umgang mit Alkohol

Sein „kleiner Bruder“ bekommt von der Dame der Jugendgerichtshilfe fast ausschließlich Bestnoten – obwohl er auch schon fünf Vorstrafen angesammelt hat. Die Sozialarbeiterin bezeichnet ihn als arbeitsam und als Familienmensch. Eine seiner Schwächen sei aber der Umgang mit Alkohol. Dieses Problem hat der Angeklagte für sich aber offenbar noch nicht erkannt. Eine Entziehungskur „kommt für mich nicht in Betracht“, sagte er an einem der Verhandlungstage. Möglicherweise wird er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Er war zur Tatzeit zwar fast 21 Jahre alt. „Aber Reifeverzögerungen sind nicht ausgeschlossen.“

Der Prozess wird am Mittwoch um 13 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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