Landgericht: „Hoffentlich wird er lange weggesperrt“

Lüdenscheid - „Ich wollte nicht, dass mein Sohn mit Herrn W. alleine ist.“ So wie die 47-jährige Kundenberaterin, Mutter eines heute sechsjährigen Jungen, haben nach allem, was bislang in diesem Prozess ans Tageslicht kam, nicht alle Mütter im Umfeld des Angeklagten reagiert. Guido W. profitierte vor allem von der Sorglosigkeit von Eltern. Und erschlich sich offenbar systematisch deren Vertrauen, bis sie ihm ihre Söhne überließen.

Wenn er mit einem kleinen Jungen in seiner Wohnung allein war, hatte er sein Ziel erreicht. Es gab Hamburger, Computerspiele, Kinobesuche und kaum altersgerechte Regeln. Am ersten Verhandlungstag sagte ein Zehnjähriger zu Richter Marcus Teich: „Ich durfte immer lange aufbleiben. Das war eigentlich cool.“

Dafür begrabschte W. seine Opfer, cremte sie von oben bis unten ein und vollzog den Oralverkehr. Und vergatterte die Kinder zum Schweigen. „Sonst muss ich ins Gefängnis.“

„Hoffentlich wird er ganz lange weggesperrt.“ Dieser Ausspruch stammt von einem Achtjährigen, dessen Mutter im Zeugenstand schildert, was ihren Kindern widerfuhr. „Der wollte meinen Älteren am Wochenende zu sich einladen“, erinnert sie sich. Dem Jungen seien die Annäherungsversuche aber unangenehm gewesen. W. habe ständig Körperkontakt zu den Kindern gesucht, sie fortwährend berührt und gestreichelt, ihnen fortwährend das Unterhemd in die Hose gestopft und sie vor dem Bauch herumgetragen wie Babys.

E-Mails von drei Männern

„Da habe ich mich eingeschaltet und ihm über Facebook geschrieben, er soll’s lassen.“ Ein paar Wochen später habe sie dann „E-Mails von drei Männern“ bekommen, die ihr vorwarfen, W.s Ruf zu schädigen und ihn falsch zu belasten. „Da habe ich meinen Kindern gesagt, sie sollen sich von ihm fernhalten.“

Eine weitere Frau erinnert sich an Ausflüge mit dem Angeklagten und ihrem Sohn. „Es war ein nachbarschaftliches Verhältnis, mehr nicht.“ Auf die Zeugin mag das zutreffen, auf Guido W. nicht. Er wollte mehr. Auf seinem Computer fand die Polizei Nacktaufnahmen von dem damals Vierjährigen.

Eine andere Frau berichtet, ihre Kinder seien „begeistert von Herrn W.“ gewesen. Aber eines Tages habe ihr Sohn gesagt, Guido habe ihm immer über Kopf und Rücken gestreichelt. „Das war unangenehm, Mama!“

Einerseits war es also „eigentlich cool“, bei ihm zu Gast zu sein, andererseits „unangenehm“, wenn sich der Erwachsene einem Kind näherte. Der Neunjährige, über den das aktuelle Verfahren ins Rollen gekommen war, hat inzwischen offenbar seine eigene Sicht auf die Geschehnisse. Die forensische Psychologin Cornelia Orth, die das Kind auf seine Aussagetüchtigkeit und Glaubhaftigkeit hin begutachtet hat, zitiert den Jungen mit dem Satz: „Der soll im Gefängnis verrotten.“

Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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