Lüdenscheider vor Gericht: Sie sollen Mann entführt und schwer verletzt haben

Lüdenscheid - Wegen erpresserischen Menschenraubes und anderer Verbrechen müssen sich ab Mittwoch drei junge Männer – zwei von ihnen aus Lüdenscheid – vor der 1. großen Jugendkammer des Landgerichts Hagen verantworten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben sie am 29. November des vergangenen Jahres einen Mann in einem Auto entführt, ihn erpresst, schwer verletzt und ausgeraubt.

Wie es in der Anklageschrift heißt, haben ein obdachloser Mann (26) aus Dortmund und sein 21-jähriger Komplize aus Lüdenscheid – sie sind vielfach vorbestraft und sitzen beide in Untersuchungshaft – ihr Opfer unter einem Vorwand in ein Auto gelockt. Am Steuer saß der Dritte im Bunde, ein 24-Jähriger Lüdenscheider, der in Freiheit auf den Strafprozess wartet. Er soll in die Pläne seiner Kumpane eingeweiht gewesen sein. Sein Vorstrafenregister ist offenbar noch „sauber“.

Die Angeklagten haben den Mann nach letzten Erkenntnissen der Ermittler im Auto aufgefordert, seine Wertsachen herauszurücken. Doch der weigerte sich. Als „Quittung“ bekam er von dem Dortmunder einen Faustschlag ins Gesicht. Dabei brachen das Nasenbein und ein Zahn des Opfers. Erst dann griff er in seine Taschen und übergab seinen Peinigern sein Handy, seine Wohnungsschlüssel und 35 Euro in bar.

Martyrium dauerte fünf Stunden

Doch er bekam offenbar weitere Schläge von den Männern und rückte dann auch noch seine EC-Karte heraus und verriet seinen Pin-Code. Der Versuch der Beschuldigten, Geld von seinem Konto abzuheben, scheiterte laut Mitteilung des Landgerichts daran, dass das Konto leer war. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die Täter danach planten, zur Wohnung des Opfers zu fahren. Hier wollten sie mutmaßlich 2000 Euro an sich nehmen, die der Wohnungsinhaber aus Gehaltszahlungen bekommen und dort deponiert hatte. Dass dieser Plan nicht aufging, ist laut Klageschrift dem Umstand zu verdanken, dass dem Verletzten schließlich die Flucht gelungen ist. Sein Martyrium dauerte fünf Stunden.

Die 1. große Jugendkammer hat zunächst vier Verhandlungstage anberaumt. Ein Urteil könnte laut Landgerichts-Sprecher Jens Berndt am 8. Juni verkündet werden.

Der Prozess beginnt am Mittwoch um 9 Uhr und findet im Saal 201 des Hagener Landgerichts statt.

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