Landgericht: Cappuccino-Mörder legt Geständnis ab

Lüdenscheid - Guido W. hat sein Geständnis aufgeschrieben. Seine Anwälte haben es abtippen und ausdrucken lassen. Der Angeklagte, heißt es, will selbst nicht sprechen. Deshalb liest sein Verteidiger Rene Litschner am zweiten Verhandlungstag die Erklärung seines Mandanten vor.

Und deshalb auch will er direkte Fragen an den Untersuchungshäftling nicht zulassen. Litschner: „Vielleicht ändert sich das noch.“ Immerhin erspart der Angeklagte seinem kleinen Opfer mit dem Geständnis möglicherweise den Stress und die Schmach, vor Gericht aussagen zu müssen.

In seinem Haftraum hat Guido W. schriftlich formuliert, wie er den neunjährigen Jungen kennengelernt hat. Es war bei einem Schulfest. „Er stand immer abseits und spielte nicht mit den anderen Kindern. Da tat er mir sehr leid.“ Der 55-Jährige knüpft Kontakt zu den Eltern des Jungen. 

Ein paar Wochen später ruft der seinen neuen „Freund“ an und fragt, ob er bei ihm übernachten darf. Seine Eltern sind einverstanden. Am 28. Dezember ‘15 kommt es zum ersten Übergriff – und zu der Anweisung: „Sag’ nichts deinen Eltern! Das ist unser Geheimnis.“

Danach ruft er bei der Polizei an. „Ich wollte mir helfen lassen.“ Aber, schreibt er weiter, er habe es einfach nicht konkret erzählen können. Nach einer Nacht in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer wird der Einweisungsbeschluss aufgehoben. „Ich wollte nicht abgeschoben werden.“

"Ich habe eine Grenze überschritten"

Am 8. Januar rufen ihn die Eltern abermals an. Ob ihr Junge noch mal bei ihm schlafen dürfe für zwei Nächte. Er darf. Es folgen ein Kinobesuch, anschließend ein Essen bei McDonald’s, zu Hause eine Dusche, das Eincremen danach – und das nächste Verbrechen an dem Kind. W. schreibt: „Als er Stopp sagte, habe ich sofort aufgehört.“ Er habe gewusst, „ich habe eine Grenze überschritten“, es tue ihm „unendlich leid“, er habe dem Jungen „Schaden zugefügt“. Das alles liest Rechtsanwalt Litschner vor.

Schließlich fragt Richter Marcus Teich den Angeklagten: „Soll das Ihre Erklärung sein?“ W. nickt und sagt: „Ja!“ Und die weiteren Vorwürfe im Hinblick auf den Zehnjährigen und den ehemaligen „Ziehsohn“ des Angeklagten? Teich: „Treffen die zu oder nicht?“ Diesmal nickt Verteidiger Litschner. „Treffen zu.“

"Kinderzimmer" in W.s Wohnung

Ein Polizist sagt aus. Er hat W.s Wohnung durchsucht. „Man kam in eine Art Kinderzimmer.“ Überall hätte Spielzeug herumgelegen, Star-Wars-Hefte, Modellautos, Playmobil-Figuren. Unter dem Bett fanden die Beamten Wäsche in Kindergrößen, Bodylotion und Sex-Spielzeug, unter anderem ein Dildo.

Der Prozess wird morgen um 9 Uhr im Saal 201 des Hagener Landgerichts mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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