Jägermeister und Katzenfutter geklaut

Ladendieb schwänzt Prozess: Beute im Wert von 9,49 Euro

Lüdenscheid - Die Frage ist, ob ein Erkenntnisgewinn zu erwarten ist, wenn der Angeklagte wirklich erscheint. Noch warten Richter, Oberamtsanwalt, Protokollantin und Russisch-Dolmetscherin auf den 60-Jährigen. Er ist reichlich vorbestraft und deshalb kein Unbekannter. Diesmal steht Ladendiebstahl in zwei Fällen zur Diskussion. Katzennahrung für 3,20 Euro und eine Flasche Jägermeister für 6,29 Euro.

Aber er bleibt seinem Prozess fern. Und die beiden Zeugen gleich auch. Alle unentschuldigt. Doch wie gesagt: Der Angeklagte hätte mutmaßlich nicht viel zur Wahrheitsfindung beitragen können. Er ist der Mann, der im vergangenen Jahr in einer Wohnung in der Kluse von einem Zechkumpan übelst verdroschen und mit einem Messer verletzt wurde. Sein 20 Jahre jüngerer Kumpel sitzt dafür derzeit eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten ab.

Im Zeugenstand hatte der Lüdenscheider vieles durcheinander geschmissen und war dem Schwurgericht in Hagen keine große Hilfe. Vermutlich als Folge jahrelangen ungezügelten Alkohol- und Drogengenusses.

Strafrichter Andreas Lyra verzichtet darauf, den Angeklagten von der Polizei holen und zwangsweise vorführen zu lassen. Die letzte Verurteilung ist „schon“ zwei Jahre her. „Da tut’s auch ein Strafbefehl.“ Die Rechnung für die Ladendiebstähle bekommt der 60-Jährige jetzt per Post: 800 Euro Geldstrafe. - omo

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