Konstantin Wecker singt von Krieg, Widerstand und Engagement

+
69 und kein bisschen leise: Konstantin Wecker rief sein Publikum zu Widerstand und Engagement auf.

Lüdenscheid  - „Schlichte Menschen vergrößern einen Raum, wenn sie durch die Tür treten“, sagt Konstantin Wecker. Der bayerische Musiker und Liedermacher gehört, so muss das Fazit des Konzertabends lauten, ganz offensichtlich nicht zu diesem Menschenschlag. Und so schaffte es Wecker am Mittwochabend ohne Mühe, den großen Saal des Kulturhauses in einen kleinen, sehr intimen Raum zu verwandeln.

Der Künstler nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise durch sein Leben – bei der er immer wieder vor allem den Tiefschlägen und dem Scheitern den Hauptaugenmerk schenkte. Auch für seine Autobiographie gelte das – „deshalb habe ich sie ‘Die Kunst des Scheiterns – Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden’ genannt“, erklärte er.

Gescheitert ist auch der Protagonist aus Weckers Lied „Gestern habns an Willy daschlogn“. Willy, ein aufrechter Querdenker mit der richtigen und damit nicht rechten Gesinnung, wird getötet, weil er den Mund nicht halten und seine Ideale nicht verraten will.

Mit diesem ersten Lied des Abends gab Konstantin Wecker den Rahmen vor. „Ich habe nicht gedacht, dass dieses Lied von 1977 noch einmal so aktuell werden würde.“ Und auch wenn der Künstler zeigte, dass er viele Liebeslieder – für Frauen, seinen Vater und seine beiden Söhne – im Gepäck hatte, waren es doch vor allem die in Musik verpackten politischen Statements, die bewegten und berührten.

Verstörend und intensiv bildete die Vertonung von Georg Heyms Gedicht „Der Krieg“ das Herzstück des Konzerts. Konstantin Wecker hatte dem Gedicht einen zweiten, eigenen Teil hinzugefügt – einen Brückenschlag zur heutigen Situation: „Und nun sind der Kriege mehr als je zuvor.“

Doch Sänger machte bei dieser desillusionierenden Schau auf das Weltgeschehen nicht Halt. Im Gegenteil: Widerstand, Aufbegehren, Engagement forderte er ein: „Ich setze mich rückhaltlos für Willkommenskultur ein. Wer anderen die Herberge verweigert, hat es verdient, das eigene Heim zu verlieren.“ Inbrünstig sang er, unterstützt von seinem Lüdenscheider Publikum, „Misch dich ein, sage nein.“ Und das, obwohl er im vergangenen Jahr „bedroht wurde wie nie zuvor“.

Gehen lassen wollten die Kulturhausbesucher Konstantin Wecker auch nach mehreren Zugaben nur ungern. Zu sehr hatte er sie in seinen Bann gezogen – und der Schulterschluss war nicht nur mit dem freundschaftlichen „ihr“ vollzogen.

Der Applaus verebbte erst, als Konstantin Wecker „Buonanotte Fiorellino“ anstimmte. „Ohne ein Gute-Nacht-Lied will ich euch heute Abend nicht nach Hause gehen lassen.“ Und so endete der aufrüttelnde und berührende Konzertabend mit einer großen Nähe und einem vertrauten Du.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare