Mit Herzblut für die Empathie

Konstantin Wecker kommt ins Kulturhaus

Konstantin Wecker

Lüdenscheid - Mit oft leisen Tönen macht Konstantin Wecker oft schreiende Ungerechtigkeit zum Thema – und das über mehr als vier Jahrzehnte. Der Liedermacher präsentiert am Mittwoch, 21. September, ab 20 Uhr im Kulturhaus ganz allein nur mit Stimme und Flügel alte und neue Lieder aus seinem Repertoire. Vor seinem Auftritt sprach er mit Axel Krüger.

Herr Wecker, was haben Sie auf Ihrer Tournee, auf der Sie sich für eine Welt ohne Grenzen und ohne Waffen einsetzen, erlebt?

Konstantin Wecker: Das geht jetzt schon über ein Jahr – die erste Tour hieß „Ohne Warum“, jetzt heißt es „Die Revolution“. Beide Programme gipfeln in dem Lied „Ich habe einen Traum, ich träume von einer grenzenlosen Welt“. Es hat sich viel getan in diesem Jahr, sehr viel auch bei meinem Publikum. Das heißt, plötzlich kommen Menschen zu mir und bitten mich, weiterzumachen, weil sie so froh sind, in einen Raum zu kommen, wo man Gutmensch sein darf und nicht als solcher beschimpft wird. Sie werden zum Teil von ihren eigenen Familien als Gutmenschen beschimpft, wenn sie zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe tätig sind. Die Konzerte geben ihnen Mut.

Wenn Sie die aktuelle Lage in Deutschland und der Welt betrachten: Was macht Ihnen Mut, was macht Ihnen Angst?

Konstantin Wecker: Angst macht mir wie vielen demokratisch gesinnten Menschen der Höhenflug des Rechtspopulismus, der, wenn man ein politisch denkender Mensch ist, fast vorauszusehen war. Unabhängig von der Flüchtlingskrise haben der Finanzkapitalismus und der Neoliberalismus eine Prekarisierung geschaffen, die leider ein wunderbarer Nährboden ist für Populisten aller Art und vor allem eben für Rechtspopulisten, die den Menschen vormachen, sie wären auf der Seite des kleinen Mannes, in Wirklichkeit aber ausschließlich auf der Seite des Großkapitals sind. Dieser Nährboden ist geschaffen worden durch die unglaubliche Ungerechtigkeit, die entstanden ist in den letzten Jahren, als man sehen konnte, wie Börsen- und Finanzmakler mit völliger Hemmungslosigkeit agieren, wodurch ausschließlich ein Prozent der Menschheit bedient wird und die anderen 99 Prozent immer ärmer werden. Was mir Mut macht, weiterzumachen, ist, dass ich das Gefühl habe, dass wir an einer Zeitenwende stehen, was das Bewusstsein anbelangt. Wir haben die Chance – bei allen Nachteilen und Gefahren, die das Internet bieten kann –, zu erfahren, wie Menschen denken in den am weitesten entfernten Teilen der Welt. Ich habe das Gefühl, dass es schon ein neues Bewusstsein gibt – dass vielen Menschen klar ist, dass gerade das, was uns ausgeredet werden soll, nämlich Empathie und Solidarität, die einzigen Chancen sind, um das Ganze noch zu retten.

Sie sind seit fast 50 Jahren als Künstler aktiv – auf was in Ihrer Karriere blicken Sie gern zurück, auf was weniger gern?

Konstantin Wecker: Ich glaube, das, was mich am meisten bereichert an meinem Beruf, ist, dass ich, was meine Aussagen auf der Bühne betrifft, meine Lieder, immer aufrecht gewesen bin, mich nie für das Publikum oder für einen Modetrend verbogen habe. Deswegen habe ich auch heute noch so wahnsinnig viel Spaß daran, aufzutreten. Natürlich hätte ich auch viel sein lassen könne, wenn ich mir überlege, was ich in Zeiten meiner Suchtkrankheit für schreckliche Momente gehabt habe auf der Bühne.

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