Ein Kommentar

Musikschule: Der Neubau wird kommen

Lüdenscheid - Zum geplanten Musikschul-Neubau in Lüdenscheid lesen Sie hier einen Kommentar von Willy Finke.

Der Musikschul-Neubau am Staberg wird kommen. Keine Frage. Die „Ampel“ und die Stadtverwaltung werden ihre - übrigens von der CDU mitgetragenen - Pläne nicht aufgeben. Und das nicht etwa wegen des längst begonnenen Planungs- und Genehmigungsverfahrens. Und auch nicht wegen des Architektenwettbewerbs, dessen Kosten sonst in den Wind geschrieben werden müssten. Ganz sicher schließlich auch nicht wegen des vom Bürgermeister so überaus plastisch geschilderten drohenden Ansehensverlustes bei der Bezirksregierung. Nein, die Musikschule wird am Staberg gebaut werden, weil die Versuchung eines modernen Neubaus für die Handelnden offenbar deutlich größer ist als jede vermeintlich kleinere Lösung. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Staberg beim besten Willen nicht zur Altstadt zu zählen ist.

Die Versuchung ist umso gewaltiger, weil die Stadt ja wirklich nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Baukosten wird tragen müssen. Der Rest kommt vom Land. Es sei allerdings die Frage erlaubt: Regnen diese Mittel vom Himmel - oder sind das nicht auch am Ende unsere Steuergelder? Und jetzt komme bitte niemand mit dem Argument, wenn Lüdenscheid das Geld nicht beanspruche, dann gebe es halt eine andere Kommune aus. Wenn alle so denken, fängt nie jemand mit dem Sparen an.

Ein weiterer, besonders pikanter Aspekt: Die Stadt Lüdenscheid ist nicht zuletzt wegen ihrer zahlreichen zu leistenden Pflichtausgaben extrem verschuldet. Sparen lässt sich mithin nur im Bereich der freiwilligen Ausgaben. Zu denen gehören die Kultur- und die offene Jugendarbeit. Indem die Stadt nun Zuschüsse für den Musikschul-Neubau in Anspruch nimmt, verpflichtet sie sich (etwas vereinfacht ausgedrückt), für lange Zeit diese Musikschule zu betreiben. Aus der freiwilligen Leistung wird also eine Pflichtzahlung, die nicht mehr eingespart werden kann. Wo kann also künftig noch der Rotstift angesetzt werden? Richtig: bei der Jugendarbeit. Deren Klienten haben offenbar keine so starke Lobby wie die Musikschule.

Nun hat also der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Ralf Schwarzkopf den absolut legitimen und lobenswerten Versuch gemacht, eine andere, preiswertere Lösung ins Spiel zu bringen. Prompt wird er abgewatscht, als habe er eine Majestätsbeleidigung begangen. „Nichts ist in Stein gemeißelt!“, hatte Bürgermeister Dieter Dzewas noch im vergangenen November in Hinblick auf das Altstadt-Konzept verkündet. Das gilt also jetzt nicht mehr? Dabei hätte es nicht nur die Höflichkeit geboten, sich zumindest mit Schwarzkopf an einen Tisch zu setzen und zu diskutieren – und ihn nicht reflexartig zu attackieren.

Stattdessen erfuhren wir am Montag in der Ratssitzung vom Bürgermeister, dass man selbstverständlich schon vor Monaten alle Alternativen in der Oberstadt erwogen, durchgerechnet und schließlich für untauglich befunden habe. Befremdlich, dass es seinerzeit offenbar niemand für nötig hielt, die Öffentlichkeit umfassend darüber zu informieren.

Dieter Dzewas sagte zudem, auch ein Investor habe im Frühjahr in der Oberstadt nach einer Lösung gesucht, sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass sich diese wirtschaftlich nicht rechne. Was Dzewas nicht erwähnte: Die offenbar feste Vorgabe seitens der Stadt, eine neue Musikschule brauche in jedem Fall auch einen neuen Kammermusiksaal, schreckte diesen Investor letztlich ab. Warum aber muss eigentlich unbedingt eine Maximallösung her? Könnte nicht auch das Kulturhaus oder der alte Kammermusiksaal gute Dienste leisten? Der soll schließlich nach dem Willen der Stadt ohnehin auch weiter der Öffentlichkeit zugänglich sein. So wurden von Anfang an die Hürden (ganz bewusst) sehr hoch gelegt.

Schließlich darf man auch durchaus fragen, ob denn ein Musikschul-Umzug überhaupt zwingend notwendig ist. Eines der Hauptargumente dafür war, dass das Gebäude Alte Post nicht barrierefrei ist. Ein wichtiges Argument. Nun soll ja bekanntlich ein Teil der VHS dort einziehen. Und raten Sie einmal, was zuvor passieren wird: Die Barrierefreiheit wird mit erheblichem Aufwand hergestellt. Es geht also, wenn man nur will.

Es sei betont, dass dem rührigen und kompetenten Musikschulteam, das über viele Jahre Hervorragendes geleistet hat, ein hochmoderner Neubau selbstverständlich zu gönnen ist. Nur: Vernünftig ist diese Option eben gegenwärtig nicht. Aber Franz Schulte-Huermann und seine Mitarbeiter müssen sich ja auch keine Sorgen machen. Denn siehe oben: Der Neubau wird kommen. Keine Frage.

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