Missetat eines Gescheiterten: Keine Bewährung für Einbrecher

Lüdenscheid - Auf seinem Pass steht als Geburtsjahr 1970. „Aber original bin ich 1973 geboren, Herr Richter.“ Seine Papiere seien halt im jugoslawischen Bürgerkrieg verlorengegangen. Seine Familie später auch. „Frau und vier Kinder habe ich, leben alle in Belgien.“ Vier Vorstrafen stehen im Register des Hartz-IV-Empfängers. Das Leben eines Gescheiterten kommt zur Sprache. Und seine vorerst letzte Missetat: ein versuchter Einbruchsdiebstahl an der Parkstraße.

Viel ist nicht passiert. Die 90-jährige Mieterin der Wohnung im ersten Obergeschoss sitzt kurz vor Beginn der Tagesschau vor dem Fernseher und hört, wie in der Küche etwas umfällt. Sie schaut nach, aber der Einbrecher, der den Bewegungsmelder an der Hauswand abgerissen hat, an der Markise hochgeklettert ist und das Küchenfenster aufgedrückt hat, ist schon wieder weg.

Beamte der Kriminalwache haben seine DNA am Tatort sichergestellt. Es hilft nur noch ein Geständnis. Strafverteidiger Lars A. Brögeler aus Dortmund erklärt, eigentlich habe sein Mandant, der in Hagen wohnt, einen Freund in Lüdenscheid besuchen wollen. „Aber er hatte Alkohol und Medikamente zu sich genommen, ist in Lüdenscheid umhergeirrt, hatte kein Geld mehr und hat die Adresse nicht gefunden.“

Die alte Dame muss also nicht mehr als Zeugin aussagen. Strafrichter Andreas Lyra entlässt sie nach Hause. Das findet sie offenbar gut, aber sie warnt den Richter: „Nicht, dass Sie mir dann irgendwann wieder ankommen.“ Die 200 Euro, die der Angeklagte ihr über seinen Verteidiger als Wiedergutmachung anbietet, will sie nicht haben. „Das schieße ich in den Wind.“

Der Angeklagte bringt eine Bewährungsstrafe vom Hagener Landgericht mit: 23 Monate wegen versuchten Einbruchdiebstahls in Hagen – „mit Waffen“, er hatte Pfefferspray in der Hosentasche. Lars A. Brögeler plädiert auf eine Gesamtstrafe von zwei Jahren, natürlich auf Bewährung. Richter Lyra winkt ab. Die Geschichte an der Parkstraße passierte zwei Wochen nach dem Hagener Urteil. „Da hat man nur wenig Verständnis.“ Er verhängt eine Gesamtstrafe von 25 Monaten. Und sagt: „Auch bei einem Jahr oder nur neun Monaten hätte ich keine Bewährung mehr gegeben.“

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